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Sommerzeit - Zeckenzeit


Zecken sind als Krankheitsüberträger seit langem bekannt - in Mitteleuropa handelt es sich bei den übertragenen Krankheiten vor allem um die viralbedingte Frühsommer-Meningo-Enzephalitis und die bakterielle Borreliose.

Hauptsaison für den Zeckenbefall sind die Monate April bis September, prinzipiell ist jedoch ab Temperaturen über 10º C mit Zeckenbissen zu rechnen.

Wirtssuchende Zecken befinden sich in Höhen bis zu etwa 1 bis 1,5 m an Gräsern, Farnen und an niedrigen Zweigen, jedoch nicht auf Bäumen. Der Befall erfolgt deshalb beim erwachsenen Menschen meist in Beinhöhe, bei Kindern jedoch oft am Kopf.

Die Wahrscheinlichkeit einer Borrelien-Infektion nimmt mit Dauer des Saugaktes zu, so dass Zecken möglichst zügig entfernt werden sollten.

Mit einer Pinzette werden die mit Widerhaken und Zähnen versehenen Mundwerkzeuge der Zecke direkt über der Haut erfasst und aus der Stichwunde herausgezogen. Der Zeckenleib sollte dabei weder gequetscht noch beschädigt werden, da dies die Infektion durch vorhandene Erreger fördert.

Die Benutzung von Öl, Alkohol, Nagellackentferner o. ä. ist obsolet, diese Substanzen fördern die Absonderung erregerhaltigen Speichels. Abschließend sollten Hände und Stichstelle desinfiziert werden.


LYME-Borreliose

Die Durchseuchung der Zecken mit Borrelien liegt in Deutschland zwischen 0 und 40 %. Anders als bei der FSME können jedoch keine Endemiegebiete eingegrenzt werden.

Die Entfernung der Zecken bzw. Nymphen oder Larven vor Ablauf von 24 Std. macht eine Übertragung von Borrelien unwahrscheinlich. Nach erfolgter Infektion erkranken nur etwa 50 %.

Man unterscheidet 3 Stadien, wobei nicht jedes Stadium klinisch manifest werden muss:

Stadium I
Tage bis Wochen post infectionem
Erythema migrans, Lymphadenosis benigna cutis
(selten, vor allem bei Kindern)
Stadium II Wochen bis Monate p.i. frühe disseminierte Infektion mit Arthralgie, Myalgie, Meningopolyneuritis (Bannwarth-Syndrom) Karditis etc.
Stadium III Monate bis Jahre p.i. chronische Manifestationen wie Lyme-Arthritis, Acrodermatitis chronica atrophicans, Enzephalomyelitis

Der klinische Verdacht auf eine Borreliose sollte labordiagnostisch gestützt werden, zumal meist ein anamnestischer Hinweis auf den in der Regel schmerzfrei ablaufenden Zeckenbiss fehlt.

Die Routinediagnostik basiert auf der Serologie, da der Erregernachweis aufwendig und nur selten erfolgreich ist.

Als Material für Anzucht oder PCR bieten sich Hautstanzen, Liquor oder Synovialflüssigkeit an. Die PCR oder der Antigennachweis aus Urin ist nicht validiert bzw. zuwenig sensitiv und scheint keine verwertbaren zusätzlichen Informationen zu bieten.

Eine Bewertung der serologischen Befunde kann stets nur im Zusammenhang mit der klinischen Symptomatik erfolgen. Nicht selten tritt z. B. die Immunantwort verzögert auf, so dass die negative Serologie eine Borreliose im frühen Stadium nicht sicher ausschließt. In späten Stadien hingegen fehlt oft das IgM als Aktivitätsparameter, und der Befund ist rein serologisch nicht von einer ausgeheilten Infektion zu unterscheiden.

Andererseits sollten falsch-positive IgM-Reaktionen bei Autoimmunerkrankungen, bakteriellen (z. B. Lues) und viralen Infekten (z. B. EBV) durch entsprechende Diagnostik ausgeschlossen werden.

Bei Verdacht auf eine neurologische Beteiligung sollte zusätzlich zum Serum ein am selben Tag gewonnener Liquor untersucht werden. Der Nachweis einer spezifischen autochthonen Antikörperproduktion im Liquor spricht für die ZNS-Beteiligung, doch schließt auch hier ein unauffälliger Befund die Neuroborreliose im Stadium II nicht sicher aus.

Eine gesicherte Therapie-Indikation besteht derzeit nur bei der klinisch manifesten Lyme-Borreliose: eine prophylaktische Antibiose nach Zeckenstich ober bei positiver Serologie ohne klinische Symptomatik ist nach heutigen Kenntnissen nicht erforderlich (s. Merkblatt für Ärzte, 1996, Robert-Koch-Institut).

Die Notwendigkeit einer Therapie nach Serokonversion im Anschluss an einen Zeckenstich bleibt zu diskutieren.

Ein einheitliches Therapie-Schema existiert derzeit nicht. In den frühen Stadien wird meist mit Doxycyclin, Penicillin oder Erythromycin therapiert, in den späten Stadien wird Cephalosporinen der III. Generation der Vorzug gegeben.

Die Kontrolle des Therapieerfolges erfolgt klinisch. Aufgrund der z. T. langen Antikörperpersistenz von IgG und IgM auch nach erfolgreicher Therapie ist von der Serologie zumindest kurzfristig keine zuverlässige Aussage zu erwarten.

Eine Impfung ist bislang nicht möglich. Auch schützt eine abgelaufene Infektion nicht vor einer erneuten Borrelien-Infektion, so dass eine serologische Statuserhebung bei Zustand nach Borreliose vor der neuen Saison in Erwägung gezogen werden sollte, um eine Reinfektion diagnostizieren zu können.


FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis)

Das FSME-Virus kann gravierende Erkrankungen mit Schädigungen des ZNS, der Leber, Nieren und massiven Hämorrhagien hervorrufen.

Nach einer durchschnittlich 10-tägigen Inkubationszeit und einer ca. einwöchigen grippeähnlichen Phase schließt sich in 8 - 10 % der Fälle eine zweite, hoch fieberhafte Krankheitsphase mit meningoenzephalitischen Symptomen an.

Die Letalität beträgt ca. 1 - 2 %, Defektheilungen erleiden etwa 10 % der Patienten, die die 2. Krankheitsphase durchlaufen haben.

In Deutschland werden 60 - 120 Erkrankungen pro Jahr registriert. Endemiegebiete sind Bayern, vor allem die Regionen entlang der Donau und deren Zuflüssen, Baden-Württemberg entlang des Rheins und Neckars sowie die Region um Freiburg bis in die Schwarzwaldtäler. Weiterhin sind Infektionen aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Berlin, Hessen und Rheinland-Pfalz gemeldet. Genaue Angaben kann man den aktuellen Verbreitungskarten entnehmen.

Die Diagnose wird bei klinischem Verdacht auf FSME serologisch durch den Nachweis von spezifischen IgM-Antikörpern gestellt.

Eine spezifische Therapie bei Erkrankung ist nicht möglich. In der frühen Inkubationszeit verhindert jedoch die Gabe von Hyperimmunserum innerhalb von 4 Tagen nach Zeckenstich in ca. 60 % der Fälle die Erkrankung.

Nach Zwischenfällen bei Kindern wurde die Anwendung des passiven Impfstoffes in der Inkubationszeit auf Erwachsene und Jugendliche nach Vollendung des 14. Lebensjahres beschränkt (Mitt. BÄK, Dtsch. Ärztebl. (1996), 93;A-2652).

Seit Einführung der aktiven Impfung ist ein deutlicher Rückgang der Erkrankungsfälle zu verzeichnen. Geimpft werden sollten Personen, die in Endemiegebieten wohnen oder sich dort vorübergehend aufhalten (z. B. Reisende). Der Impferfolg ist serologisch kontrollierbar.


Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Bitte nutzen Sie für Anfragen bevorzugt die Möglichkeiten eines E-Mail. Ernstgemeinte E-Mail-Anfragen werden baldmöglichst beantwortet. Das kann u.U. aber etwas dauern, ich bin ja schließlich auch mal unterwegs

Dr. B. Ziegler - Facharzt für Laboratoriumsmedizin - Transfusionsmedizin - Umweltmedizin
Tel.: 0172 6361278   E-Mail: Ziegoe@aol.com

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