Die Umweltmedizin ist eine junge, interdisziplinäre (d. h. für Ärzte verschiedener Fachbereiche zugängliche) Richtung in der Medizin. Sie befaßt sich mit den Auswirkungen der Umwelt im weitesten Sinne auf den Menschen und die dadurch entstandenen bzw. ausgelösten Krankheiten bzw. Krankheitsrisiken.
Sie beschränkt sich aber nicht allein auf deren Feststellung und Behandlung, sondern sieht vor allem in der Vorsorge eine wichtige Aufgabe. So ist die Wirkung des Menschen auf die Umwelt und die Minderung seiner negativen Wirkungen auf diese ein wichtiger Bestandteil umweltmedizinischer Überlegungen.
Der in der Umweltmedizin tätige Laborarzt beschränkt sich n i c h t auf die reine Analytik. Natürlich ist die Analytik und Befundung seine Hauptaufgabe, aber bevor man eine Untersuchung durchführt, muß man auch eine Information darüber haben, was eigentlich wo zu suchen ist, wodurch umweltbedingte Beschwerden ausgelöst sein könnten.
Der Laborarzt wird daher v o r jeder Untersuchung wie jeder andere Umweltmediziner auch mit Ihnen sprechen. Er wird Sie befragen nach dem Was, Wer, Wie, Wo, Wann und dann vielleicht auf das Warum zu stoßen. Hieraus werden sich dann vielleicht auch Konsequenzen ergeben einerseits für die Vermeidung weiterer Belastung, andererseits für die Behandlung bereits bestehender Erkrankungen.
Wir formulieren absichtlich "Vielleicht", denn: Es geht allen Umweltmedizinern gleich: Es liegen bisher zu wenige Informationen über die Schädlichkeit von "Schadstoffen" vor.
Was sind Schadstoffe?
"Schadstoffe" sind nicht definiert. Mit Schadstoff bezeichnet man alle Einflüsse, die aus der Umwelt kommen und einen schädlichen Einfluß auf den Menschen (und natürlich auch andere Lebewesen) ausüben oder ausüben können oder ausüben könnten.
Dies können Chemikalien sein, Gase wie Ozon, physikalische Einflüsse wie Strahlen oder Magnetfelder, Substanzen wie Asbest oder auch psychologische Faktoren wie Mobbing. Hinzu kommen natürlich auch Lebewesen wie Bakterien, Pilze und die zu ihrer Bekämpfung eingesetzten Stoffe.
"Schadstoff" wird vielfach gleichgesetzt mit "Umweltgift". Von den vielen Millionen bekannter chemischer Substanzen sind erst wenige Tausend hinsichtlich ihrer Umweltverträglichkeit und damit ihrer Einflüsse auf den Menschen und andere Lebewesen untersucht und dokumentiert.
Der Umweltmediziner bewegt sich also auf recht unsicherem Terrain und muß bei seinen Befragungen und Untersuchungen innovativ und vor allem unkonventionell sein. Er muß einfach alles zuerst einmal in Frage stellen. Häufig ergeben sich dann ganz überraschende Erkenntnisse und Zusammenhänge.
Kann ich den Medien glauben?
Über "Schadstoffe" wird überall und in allen Medien viel gesprochen, häufig leider nicht gerade qualifiziert. Zwar darf man Fragen über Umweltgifte nie auf die leichte Schulter nehmen, aber Panik ist nicht angebracht. Wenn umweltmedizinische Fragen in den Medien hochgespielt werden, sollte man immer auch die Frage stellen "Wem nützt das?" Auch hier ergeben sich häufig überraschende Zusammenhänge, die die Bearbeitung der medizinischen Frage wesentlich bestimmen können.
Kann ich auch direkt zum Laborarzt und Umweltmediziner kommen?
Ja, im Prinzip schon, aber ... Dies ist kein Witz von Radio Eriwan, sondern leider traurige Tatsache. Hier gibt es erhebliche regionale Unterschiede. Besonders mit der Kostenübernahme. In unserem Bereich liegt eine Vereinbarung mit einigen Kostenträgern vor, daß die Kosten für die umweltmedizinische Beratung und Untersuchungen am Patienten von den Krankenkassen übernommen werden. Einige Kostenträger sind dieser Vereinbarung nicht beigetreten. Hier muß man für den Einzelfall mit der Krankenkasse sprechen.
Kosten für Wohnraumuntersuchungen werden generell von den Krankenkassen nicht übernommen, allenfalls geben sie bei entsprechender Emfpehlung durch den Umweltmediziner einen Zuschuß. Wohnraumuntersuchungen und/oder Untersuchungen von Hausstaub auf Chemikalien, Bodenproben usw. müssen also privat bezahlt werden. Aber auch hier kann es regionale Unterschiede geben.
Für Untersuchungen am Arbeitplatz auf schädliche Einflüsse ist prinzipiell der Betriebsarzt in Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber und der Berufsgenossenschaft zuständig. Dennoch können Sie auch bei Verdacht auf eine schädliche Beeinflussung am Arbeitsplatz den Umweltmediziner aufsuchen.
Die Übernahme der anfallenden Kosten beispielsweise durch die Berufsgenossenschaft muß dann für den Einzelfall untersucht werden. Dies wird immer der Fall sein, wenn etwa eine Vergiftung durch Umgang mit Giften am Arbeitsplatz nachgewiesen werden kann.
Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Bitte nutzen Sie für Anfragen bevorzugt die Möglichkeiten eines E-Mail. Ernstgemeinte E-Mail-Anfragen werden baldmöglichst beantwortet. Das kann u.U. aber etwas dauern, ich bin ja schließlich auch mal unterwegs
Dr. B. Ziegler - Facharzt für Laboratoriumsmedizin - Transfusionsmedizin - Umweltmedizin
Tel.: 0172 6361278 E-Mail:Ziegoe@aol.com