Adhäsion: Anheftung der Thrombocyten an die subendothelialen Strukturelemente (Kollagen-Fibrillen), die durch die Verletzung der Gefäßintima freigelegt wurden. Eine wichtige Rolle kommt dabei dem von Willebrand-Faktor (vWF) zu, der an das thrombocytäre Oberflächen-Glycoprotein Ib gebunden wird.
Aggregation: Zusammenballung der Thrombocyten unter Mitwirkung von Fibrinogen und den Glycoproteinen GP IIb und IIIa der Thrombocyten-Membran.
Sekretion: Abgabe von Inhaltsstoffen der Granula nach Stimulation der Thrombocyten.
Prokoagulatorische Aktivität der Thrombocyten: Eine Reihe von koagulatorisch wirksamen Proteinen wird nach Kontakt mit der Thrombocytenoberfläche aktiviert.
Blutungszeit: Normbereich 2 - 7 min (methodenabhängig). Mit der Blutungszeit wird sowohl die Funktionsfähigkeit der Thrombocyten als auch ihre Reaktion mit der Gefäßwand erfaßt. Die Blutungszeit ist verlängert, wenn die Thrombocytenzahl unter 70 000 - 80 000 absinkt. Funktionsdefekte der Thrombocyten führen unabhängig von ihrer Konzentration zu einer Verlängerung der Blutungszeit.
Thrombocyten-Adhäsion: Retention der Thrombocyten beim Durchfluß thrombocytenreichen Plasmas durch ein plättchenadhärierendes Milieu. Wird in der Regel ersetzt durch die Bestimmung der Aggregation mit verschiedenen Reagenzien (vgl. Funktions-Schema).
Thrombocyten-Aggregation: Routinemethode zur Prüfung der Aggregation nach Zusatz von verschiedenen Aggregations-Auslösern (ADP, Adrenalin, Collagen, Arachidonsäure u. a. m.)
Untersuchung der sekretorischen Funktion der Thrombocyten: Kann z. T. durch die Aggregationsteste miterfaßt werden (2. Reaktionsphase!). Ein direkter Serotonin-Release-Test ist ebenfalls möglich.
Thromboxan-Bildung der Thrombocyten: Wird erfaßt durch die Aggregationsprüfung nach Zugabe von Arachidonsäure. Daneben kann Thromboxan A2 auch direkt bestimmt werden.
Merkmale von Thrombocytenfunktionsstörungen
Anomalien der Haemostase bei in der Regel normalen Thrombocyten-Zahlen und meist normler plasmatischer Gerinnung.
Blutungszeit meist verlängert.
Sehr wechselhafte klinische Symptomatik. Typisch: Schleimhautblutungen, Petechien, Haematome.
Angeboren (selten) oder erworben (häufig)
Angeborene Thrombocytopathien
Störungen der Adhäsion: Störung der Adhäsion sowie der Aggregation nach Zusatz von Ristocetin
» von Willebrand-Krankheit (mehrere Subtypen)
» Bernard-Soulier-Syndrom
Störungen der Aggregation: Keine Reaktion im Aggregationstest nach Stimulation mit ADP, Adrenalin, Thrombin und Kollagen (1. und 2. Phase der Reaktion fehlen)
» Afibrinogenaemie
» Thrombasthenie Glanzmann
Störungen der sekretorischen Funktion: Im Aggregationstest kann durch die Stimulation mit ADP oder Adrenalin nur eine erste Reaktionsphase, nicht aber die zweite Reaktionsphase ausgelöst werden.
» Storage Pool-Defekt
» Defekt der Thromboxan-Synthese
» Primäre Defekte der Sekretion
Erworbene Störungen der Thrombocyten-Funktion
Arzneimittel:
Minderung der Aggregation: Acetylsalizylsäure, nichtsteroidale
Antiphlogistika,Antibiotika (Penicilline u. a.), Kardiaka; Vitamine C, E; Nahrungsmittel (Fischöl), Gewürze (Knoblauch, Zwiebeln) u. a.
Steigerung der Aggregation: Heparin
Uraemie
Myeloproliferative Krankheiten
Cardio-pulmonaler Bypass
Dysproteinaemien
Leberkrankheiten
Thrombocyten-Antikörper
Für die Durchführung der Thombocyten-Funktionstests benötigen wir mindestens 20 ml Citratblut (1 Teil Citrat,9 Teile Blut, z. B. 4 Gerinnungs-Monovetten zu je 5 ml).
Das Blut muß innerhalb von 4 h verarbeitet werden, daher Posteinsendung nicht sinnvoll.
Besser: Patient in unsere Sprechstunde (telefonische Voranmeldung erbeten!)
Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Bitte nutzen Sie für Anfragen bevorzugt die Möglichkeiten eines E-Mail. Ernstgemeinte E-Mail-Anfragen werden baldmöglichst beantwortet. Das kann u.U. aber etwas dauern, ich bin ja schließlich auch mal unterwegs
Dr. B. Ziegler - Facharzt für Laboratoriumsmedizin - Transfusionsmedizin - Umweltmedizin
Tel.: 0172 6361278 E-Mail:Ziegoe@aol.com