Informationen zur Bestimmung der Plasma-Renin-Aktivität
Die Bestimmung der Plasma-Renin-Aktivität (wie auch von Aldosteron) dient der Diagnostik von Hochdruckerkrankungen.
Einflüsse auf die Plasma-Renin-Aktivität:
Die Reninfreisetzung wird von zahlreichen Faktoren, wie z. B. der Aktivierung des symphatico-adrenalen Systems, Änderungen des Blutvolumens, der Nierendurchblutung und der Natrium-Kalium-Bilanz, beeinflußt.
Die Natriumzufuhr ist von wesentlicher Bedeutung: Eine erhöhte Kochsalzzufuhr supprimiert, eine kochsalzarme Diät stimuliert die Plasma-Renin-Aktivität. Anzustreben ist eine Natriumzufuhr zwischen 120 und 200 mval/24 Stunden, dies kann ggf. anhand der Urinausscheidung von Natrium innerhalb von 24 Stunden vor der Blutentnahme zur Renin-Bestimmung überprüft werden.
Orthostase und körperliche Aktivität führen zu einer Erhöhung der Plasma-Renin-Werte.
Zahlreiche Medikamente beeinflussen die Plasma-Renin-Aktivität: z. B. stimulieren einige Antihypertensiva, Diuretika, Ovulationshemmer sowie verschiedene Antibiotika die Plasma-Renin-Aktivität. Medikamente, die die Aktivität des Sympathikus beeinflussen, wie Betablocker, Clonidin, Alphametyl-Dopa etc., supprimieren die Plasma-Renin-Aktivität.
Relativ gering ist der Einfluß von Calcium-Antagonisten und Prazosin, extrem hohe Werte erhält man bei Patienten, die mit Angiotensin-converting-Enzym-Hemmern behandelt werden (z. B. Captopril = Lopirin, Tensobon, Enalabril = Xanef).
Diese Medikamente sollten daher mindestens 14 Tage vor der Untersuchung abgesetzt werden (Spironolacton bereits ca. 4 Wochen vorher).
Testablauf:
Die Blutabnahme erfolgt im allgemeinen stets vormittags.
Wegen der vielen Faktoren, die die Reninfreisetzung (bzw. das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System) beeinflussen, setzt eine diagnostisch aussagefähige Analyse die Einhaltung definierter Untersuchungsbedingungen voraus.
Da einer einmaligen Reninbestimmung nur eine eingeschränkte diagnostische Bedeutung zukommt, sollte die Bestimmung auch unter stimulierten Bedingungen durchgeführt werden.
Standardisierte Bestimmungsmethoden sind nicht definiert, für die Ermittlung eines Basal- oder Ruhewertes sowie von Stimulationswerten bieten sich folgende Möglichkeiten an:
Zur Bestimmung der Plasma-Renin-Aktivität wird Blut nach einhalten einer Bettruhe (ca. 2 Stunden in liegender Körperposition) abgenommen (Basalwert).
Nach z. B. 2 Stunden Orthostase erfolgt erneute Blutabnahme (Stimulationswert).
Die erste Blutabnahme erfolgt ohne vorherige Bettruhe (Basalwert).
30 (bzw. 60) Minuten nach i. v.-Applikation von 40 mg Furosemid (Lasix) wird erneut Blut abgenommen (Stimulationswert).
Nach Stimulation durch Orthostase oder Furosemid ist jeweils ein Anstieg der Plasma-Renin-Aktivität um etwa das Doppelte zu erwarten.
Indikation zur Renin-Bestimmung
Differenzierung zwischen primärem und sekundärem Hyperaldosteronismus
Bei beiden Formen des Hyperaldosteronismus ist, meist in Verbindung mit einer Hypertonie, eine Hypokaliämie zumindest zeitweise nachweisbar; die Aldosteronwerte im Plasma oder Urin sind erhöht.
Beim primären Hyperaldosteronismus sind die Reninspiegel supprimiert (Ausnahmen möglich) und nicht stimulierbar, beim sekundären Hyperaldosteronismus hoch, normal oder erhöht.
Arterielle Hypertonie (relative Indikation)
Bei der essentiellen Hypertonie findet sich ein bestimmter Prozentsatz von Patienten mit einer sogenannten Hyporeninämie (etwa 30 %) und etwa 10 % mit einer Hyperreninämie.
Obwohl die Patienten mit hohen Reninwerten meist besser auf Betablocker, die mit niedrigen Reninwerten meist besser auf Diuretika ansprechen, ist hinsichtlich der Behandlung im Einzelfall keine sichere Voraussage möglich.
Bei einseitiger Nierenarterienstenose finden sich bei einem größeren Teil der Fälle erhöhte Reninwerte, besonders in der Frühphase der Erkrankung, in der die Hypertonie noch nicht fixiert ist.
Bei doppelseitiger Nierenarterienstenose liegen die Reninwerte hingegen meist im Normbereich oder sind gelegentlich sogar supprimiert.
Seitengetrennte Renin-Bestimmung im Nierenvenenblut
Diese Untersuchung dient der Entscheidungshilfe bei der Indikation einer Operation oder Ballonkathederdilatation bei angiographisch nachgewiesener Nierenarterienstenose.
Sind die Werte auf der stenosierten Seite um das 1,5 bis 2-fache höher als auf der nicht stenosierten Seite, wird sich der Blutdruck postoperativ mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder normalisieren.
Bei Niereninsuffizienz (primär oder postoperativ) werden erheblich erhöhte Reninspiegel gefunden.
Bei ausreichender Substitution mit Corticoiden (insbesondere Mineralocorticoiden) liegen die Werte im Normbereich. Die Renin-Bestimmung kann hier als Hilfe zur Beurteilung einer adäquaten Substitutionstherapie herangezogen werden.
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Dr. B. Ziegler - Facharzt für Laboratoriumsmedizin - Transfusionsmedizin - Umweltmedizin
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