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  Gastroenterologie

Neopterin - Indikator der Aktivierung der zellulären Abwehr


Pathophysiologie:

Bei der Aktivierung des Immunsystems setzen T-Lymphocyten nach Erkennung des Antigens neben anderen Lymphokinen Interferon-g frei. Durch das Interferon-g kommt es zu einer Aktivierung der Makrophagen, welche ihrerseits vermehrt Neopterin produzieren und freisetzen.


Indikationen:

Bei Autoimmunerkrankungen spielt die Aktivierung des zellulären Immunsystems eine Schlüsselrolle. Das Vorhandensein aktivierter T-Zellen bei diesen Prozessen führt im Endergebnis zu erhöhter Makrophagenaktivität und zu erhöhten Neopterinspiegeln.

Autoimmunerkrankungen sind durch aktive Krankheitsphasen und durch Ruhepausen charakterisiert. Die Neopterinspiegel korrelieren sehr gut mit dem Krankheitsverlauf mit hohen Werten während der aktiven Phase und tieferen Werten in der Ruhephase und unter immunsuppressiver Therapie.

Bei folgenden Autoimmunerkrankungen bietet sich Neopterin als Parameter zur Diagnostik, Aktivitätsbeurteilung und zur Verlaufskontrolle unter und nach Therapie an:

  1. Rheumatoide Arthritis

    Bei dieser chronisch verlaufenden Erkrankung, die verschiedene, vor allem die kleinen Gelenke befallen kann, finden sich im aktiven Stadium erhöhte Neopterinwerte im Blut wie auch in der Synovialflüssigkeit.


  2. Systemischer Lupus erythematodes SLE

    Der SLE ist eine Autoimmunerkrankung mit in der aktiven Phase erhöhter Zahl der T4-Helferzellen und verminderter Zahl der T8-Suppressorzellen. Der T4/T8-Quotient ist erhöht.

    Im Verlauf des SLE kommt es zu einer renalen Beteiligung bei der Mehrzahl der Patienten. Die zelluläre Immunität bei renaler Beteiligung ist charakterisiert durch die Abnahme der T4-Helferzellen und die Zunahme der T8-Suppressorzellen. Diese Abnahme des T4/T8-Quotienten korreliert sehr gut mit dem Auftreten einer Nephritis im Rahmen eines SLE.

    Im aktiven Stadium des SLE findet man deutlich erhöhte Neopterin-Werte, die unter immunsuppressiver Therapie (z. B. mit Steroiden), aber auch bei Entwicklung einer renalen Beteiligung rückläufig sind.


  3. Entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)

    Als Ursache für diese chronischen Darmerkrankungen werden Autoimmunprozesse angesehen. Die Anzahl der aktivierten T-Zellen ist hierbei erhöht und demzufolge auch der Neopterinwert in aktiven Krankheitsphasen.


  4. Sakoidose (Morbus Boeck)

    Die Sarkoidose ist eine granulomatöse Multisystemerkrankung bisher unbekannter Aetiologie. Sie kann jedes Organ betreffen, meist sind jedoch die Lunge und die mediastinalen Lymphknoten befallen.

    Das primäre Ereignis der Erkrankung ist eine Aktivierung der lokalen T-Zellen und Makrophagen durch einen noch nicht bekannten Stimulus. Dieser Aktivierungsstatus induziert eine Kaskade sich selbst unterhaltender Immunprozesse.

    Da die Makrophagenaktivierung einer Hauptrolle bei dieser Erkrankung spielt, sind die Neopterinspiegel erhöht. Man findet erhöhte Werte sowohl im inaktiven als auch im aktiven Stadium, wobei die höchsten Werte im aktiven Stadium anzutreffen sind. Im inaktiven Stadium sinken sie  n i c h t  bis in den Normbereich ab. Dies läßt auf anhaltende, leichte bis mittelgradige Makrophagenaktivität schließen.

    Die Nopterin-Konzentration korreliert eng mit anderen biochemischen Aktivitätsmarkern wie ACE (Angiotensin converting Enzyme), IgG und IgA.


  5. Multiple Sklerose

    Bei dieser Erkankung wird auch eine immunologische Krankheitskomponente angenommen. In verschiedenen Studien konnte bei MS-Patienten im Remissionsstadium (!) ein erhöhter Neopterinspiegel im Liquor gemessen werden. Dies weist auf eine erhöhte Interferon-g-Ausschüttung durch T-Zell-Aktiverung im ZNS hin.


  6. Hyperphenylalaninaemie
    Phenylketonurie bei Synthesedefekten von Tetrahydrobiopterin (BH4)


    Tetrahydrobiopterin stellt einen wesentlichen Cofaktor der Aktivität von Hydroxylasen, z. B. der Phenylalaninhydroxylase, der Tyrosin- und der Tryptophanhydroxylase dar. Bei einem Mangel an Tetrahydrobiopterin ist die Synthese der Neurotransmitter Serotonin und der Katecholamine gestört. Die verminderte Aßtivität der Phenylalaninhydroxylase führt zu einer Hyperphenylalaninaemie, welche bei Neugeborenenscreening entdeckt werden kann.

    Eine Therapie dieser (sehr seltenen) Form der Hyperphenylalaninaemie durch diätetische Maßnahmen bleibt wirkungslos! Dagegen kann sie erfolgreich mit Tetrahydroxybiopterin und Substitution der Neurotransmitter behandelt werden. Typisch ist bei den Defekten der Tetrahydrobiopterin-Synthese eine sehr hohe Ausscheidung von Neopterin im Urin.


Referenzwerte:

  Serum
EDTA-Plasma
Speichel
Liquor
Synovialflüssigkeit
Ascites
Urin
< 10 nmol/l
< 12 nmol/l
0,2 - 3,4 nmol/l
0,4 - 2,8 nmol/l
1,0 - 9,0 nmol/l
1,0 - 37,0 nmol/l
70 - 230 nmol/l Kreatinin


Untersuchungsmaterial: Serum (2 ml), EDTA-Blut, Urin, Speichel, Liquor, Synovialflüssigkeit, Ascites

Für Vollständigkeit und Richtigkeit dieser Information kann keine Gewähr übernommen werden. Sie basiert auf dem Wissensstand zum Zeitpunkt der letzten Überarbeitung.


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Dr. B. Ziegler - Facharzt für Laboratoriumsmedizin - Transfusionsmedizin - Umweltmedizin
Tel.: 0172 6361278   E-Mail: Ziegoe@aol.com

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