Gentechnologischer Nachweis von Mycobacterium tuberculosis
Mycobacterium tuberculosis-Infektionen, in westlichen Industrienationen vor nicht allzu langer Zeit fast in Vergessenheit geraten, nehmen wieder an Bedeutung zu. Weltweit haben schätzungsweise 60 Mio. Menschen aktive Tuberculose, wobei jährlich 10 Mio. neue Tuberculosefälle und 3 Mio. durch Tuberculose verursachte Todesfälle registriert werden.
Das Verbreitungsgebiet der Tuberculose erstreckt sich zwar hauptsächlich auf die Länder der Drittten Welt (95 %), jedoch stellen die registrierten Zuwachs-Raten in den Industrieländern (Schweiz 33 %, Österreich 17 %, USA 18 %) mit allein in den USA jährlich 26 000 neuen aktiven Tuberculosen eine Herausforderung für die Gesundheitssysteme dar.
Die klassischen Methoden zum Nachweis von Mycobacterium tuberculosis sind gekennzeichnet durch mangelnde Empfindlichkeit sowie langwierige und zeitraubende Bearbeitung (3-8 Wochen). Die Methoden waren neben lichtmikroskopischem Nachweis vor allem kulturelle Verfahren.
Mit der Polymerase-Ketten-Reaktion wurde ein Verfahren entwickelt, welches es ermöglicht, in wenigen Tagen hoch spezifisch (nahezu 100 %) und vor allem mit hoher Sensitivität (Nachweisgrenze der PCR 10 Keime/ml; Nachweisgrenze der Kultur 100 - 10000 Keime/ml) humane Materialen untersuchen.
Im Mittelpunkt dieser Methode steht die millionenfache Vervielfältigung des nur für Mycobacterium tuberculosis spezifischen Abschnittes der Erbsubstanz DNA und dessen Nachweis durch eine für Mycobacterium tuberculosis typische Gensonde.
Die oft befürchtete Kontaminationsgefahr des PCR-Verfahrens wurde durch Einsatz eines Verfahrens beseitigt, bei dem etwaige Verunreinigungen aus früherer PCR-Reaktion selektiv gespalten und eliminiert werden.
Mit Hilfe der PCR läßt sich die Anwesenheit von Bakterien des sogenannten Mycobacterium tuberculosis-Komplexes (M. tuberculosis, M. bovis, M. africanum und M. leprae) nachweisen. Atypische Mycobacterien (z. B. M. avium, M. intracellulare), welche nur unter besonderen Bedinungen humanpathogen sind, werden nicht erfaßt. Sie werden wie bisher mittels Kultur nachgewiesen.
Durch weitere gentechnische Untersuchungen ist es zusätzlich möglich, die Empfindlichkeit der Mycobacterien gegen wachstumshemmende Substanzen (Tuberculostatica) zu untersuchen.
Probenmaterial: 2 ml Sputum oder Bronchiallavage, 20 ml Morgenurin in sterilem Gefäß (3-malige Probengewinnung), Ejakulat, Menstrualblut, Punktat.
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Dr. B. Ziegler - Facharzt für Laboratoriumsmedizin - Transfusionsmedizin - Umweltmedizin
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