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Malaria - Prophylaxe und Therapie
Zusammenfassung

Auch in diesem Jahr werden wieder Urlauber von Reisen zurückkehren, auf denen sie sich mit dem Malariaerreger infiziert haben, weil sie sich nicht konsequent geschützt und die medikamentöse Prophylaxe vernachlässigt haben. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland erstmals mehr als 1000 Malariaerkrankungen registriert.

Auch wenn sich die Resistenzlage in vielen Zonen der Erde verschlechtert hat, gibt es immer noch Medikamente, die wirksam Plasmodien im Blut vernichten. Die neuen Medikamente sollten nur angewandt werden, wo sie nötig sind, um nicht auch gegen sie Resistenzen hervorzurufen.


Epidemiologie

Weltweit sterben nach Angaben der WHO jährlich etwa 2 - 2,5 Mio Menschen - vor allem Kinder unter 5 Jahren - an Malaria, bis zu 500 Mio Menschen erkranken jährlich daran schwer.

Allein in Deutschland wurden im vergangenen Jahr erstmals über 1000 Malaria-Erkrankungen gemeldet. Weil immer mehr Menschen in Regionen Urlaub machen, in denen Malaria endemisch ist, und auch Geschäftsreisen dorthin zunehmen, gewinnt die Prophylaxe vor und die Therapie nach einer Infektion auch in Deutschland an Bedeutung.


Prophylaxe

Welche Möglichkeiten der Prophylaxe können heute den Reisenden in Malaria-Endemie-Gebiete empfohlen werden?

Es hat sich gezeigt, daß bereits einfache Maßnahmen wie die Expositions-Prophylaxe mit Netzen über dem Bett, besonders wenn sie mit pyrethrumhaltigen Insektiziden imprägniert sind, wirksam die Überträger der Plasmodien - Mücken der Gattung Anopheles - fernhalten können.

Kurzzeitstudien zufolge lassen sich dadurch Morbidität und Mortalität um ca. 33 % absenken. Aber diese Maßnahme allein reicht natürlich nicht aus.

Nach Angaben der Deutschen tropenmedizinischen Gesellschaft DTG ist eine Chemoprophylaxe bei Reisen in Malariagebiete grundsätzlich empfehlenswert. Für die medikamentöse Prophylaxe stehen mehrere Präparate zur Verfügung.

Die Vorbeugung wird allerdings dadurch erschwert, daß Resistenzen gegen jedes der Medikamente - abhängig von der Region - bestehen können. Aber auch in Gebieten mit Verbreitung von multi-resistenten Malaria-tropica-Erregern, Plasmodium falciparum, kann die Prophylaxe das Risiko nach wie vor wesentlich reduzieren (DTG).

Zur Verfügung stehen:

Chloroquin , z.B. Resochin®
Doxycyclin
Mefloquin, z.B. Lariam®
Proguanil, z.B. Paludrine®

Dabei ist allerdings zu beachten, dass Resistenzen gegen Chloroquin vor allem in Asien und Afrika südlich der Sahara sowie im Amazonasbecken gemeldet wurden (s.u.). Selten dagegen sind derzeit offenbar Resistenzen gegen Mefloquin.

Es wird daher zur Prophylaxe in Regionen mit chloroquinresistenten Plasmodien falciparum empfohlen und seit Kurzem auch für Kinder ab 5 kg zugelassen.

Wichtig ist, dass die Entscheidung über die Art der Malariaprophylaxe anhand des Reiseziels, der Reiezeit, Dauer und des Reisestils individuell getroffen wird. Zu berücksichtigen sind zudem individuelle Unverträglichkeiten des Reisenden.


Resistenz-Zonen

Zone A: Zentralamerika, Südamerika außerhalb des Amazonasbeckens, Vorderer und Mittlerer Orient , China: Generell geringes Malaria-Risiko, Plasmodium falciparum fehlt oder ist sensitiv auf Chloroquin

Zone B: Indischer Subkontinent incl. Pakistan, Teile von Malaysia und Indonesien, Philippinen: In den meisten Gebieten niedriges Malaria-Risiko. Chloroquin schützt vor Plasmodium vivax, Chloroquin plus Proguanil schützt teilweise vor Plasmodium falciparum. Die Kombination kann den Verlauf mildern, falls eine Infektion trotz Prophylaxe auftritt.

Zone C: In Afrika in den meisten Gebieten der Sahelzone und den südlich davon gelegenen Gebieten, Madagaskar; in Südamerika im Amazonasbecken ist das Malaria-Risiko hoch. In den Gebieten von Südostasien, Teile von Indonesiun und Malaysia eher niedrig. Resistenz gegen Sulfadioxin + Pyrimethamin häufig.


Diagnostik

Von Bedeutung neben der Prophylaxe ist die Soforttherapie nach einer Infektion. Über Indikation und Durchführung sollten Reisende in Malariagebiete informiert sein.

Die Symptome sind uncharakteristisch - Kopf- und Gliederschmerzen, schweres Krankheitsgefühl, rezidivierendes Fieber, oft aber nicht immer, Schüttelfrost. Ein Arzt inbes. in einem Land mit schlechter Infrastruktur ist oft nicht innerhalb 24 h erreichbar.

Hier kann mit einem Schnelltest (MalaQuick®), der seit Anfang des Jahres verfügbar ist, bestätigt werden, ob tatsächlich eine Infektion mit Plasmodium falciparum vorliegt. Ein positives Ergebnis ist eine klare Indikation für eine Sofort-Therapie, ein negatives schließt allerdings eine Infektion - insbesondere durch andere Plasmodien - nicht aus. Der Schnelltest kann somit keinesfalls die Prophylaxe ersetzen!

Bei positivem Testausfall wird, wenn kein Arzt erreichbar ist, eine Notfallmedikation vorgeschlagen, die von der Resistenzlage und damit von der Zone abhängt, in der man sich infiziert hat.


Prophylaxe und Notfall-Selbsttherapie

Medikamente
Prophylaxe
Notfall-Selbsttherapie
Artemisin

z. B. Artemether®
Artesunat®
nicht geeignet nicht empfohlen
Chloroquin

z. B. Resochin®
300 mg = 2 Tbl. Resochin pro Woche

bei über 75 kg KG :
450 mg = 3 Tbl. Resochin pro Woche

Kinder:
5 mg/kg pro Woche
600 mg = 4 Tbl. Resochin
(Kinder 10 mg /kg KG) nach 6 h sowie am 2. und 3. Tag je 300 mg (Kinder 5 mg pro kg)
Doxycyclin 100 mg/die nicht geeignet
Halofantrin

z. B. Halfan ®
nicht geeignet 3 x 500 mg (3 x 2 Tbl) in 6 h-Intervallen am 1. und 8 Tag (nicht zum Essen!)

Kinder über 10 kg Körpergewicht:
3 x 8 mg/kg KG
Mefloquin

z. B. Lariam ®
250 mg (=1Tbl.) pro Woche

Kinder über 15 kg KG:
5 mg pro kg Körpergewicht pro Woche
initial 750 mg (=3 Tbl.),
nach 6-8 h weitere 500 mg;

falls KG > 60 kg:
nach weiteren 6-8h weitere 250 mg
Proguanil

z. B. Paludrine ®
(nur in Kombination mit
Chloroquin empfohlen!)
200 mg/die

Kinder 3 mg/kg KG/die
nicht geeignet
Sulfadoxin + Pyrimethamin

z. B. Fansidar ®
nicht geeignet nur in Ausnahmefällen zur Notfall-Selbstmedikation:

1500 mg + 75 mg (= 3
Tbl. Fansidar) als Einmaldosis
bei > 45 kg Körpergewicht
Atovaquon + Proguanil

z. B. Malarone ®
Neu noch keine verbindlichen Empfehlungen Malaria-Chemoprophylaxe mit Atovaquon/Proguanil (= Malarone) ist seit 01.04.2001 auch in Deutschland zugelassen


Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Bitte nutzen Sie für Anfragen bevorzugt die Möglichkeiten eines E-Mail. Ernstgemeinte E-Mail-Anfragen werden baldmöglichst beantwortet. Das kann u.U. aber etwas dauern, ich bin ja schließlich auch mal unterwegs

Dr. B. Ziegler - Facharzt für Laboratoriumsmedizin - Transfusionsmedizin - Umweltmedizin
Tel.: 0172 6361278   E-Mail: Ziegoe@aol.com

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