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  Drogenmißbrauch

Kinder - Drogen - Eltern:  Ein Ratgeber für Eltern


1. Wenn Sie in Sorge sind, ob Ihr Sohn oder Ihre Tochter drogengefährdet ist:

Es ist normal, daß in der Pubertät

die Schulleistungen schwanken,
Kinder sich von Familienaktivitäten zurückziehen,
ihre Stimmungslage zwischen Ablehnung, Aggression und der alten Vertrautheit hin und her schwankt,
Interessen häufig wechseln und
es z. B. zu einem Wechsel des Ausbildungsganges kommen kann.

Problematisch ist es, wenn

die Schulleistungen auf allen Gebieten plötzlich absinken,
der Freundeskreis aufgegeben wird oder ständig wechselt,
Kinder und Jugendliche sich in eine totale Isolation zurückziehen,
bisherige Interessen bis zur Teilnahmslosigkeit aufgegeben werden,
es zu einer Schul- oder Ausbildungsabbruch mit völliger Resignation kommt und
Jugendliche ohne Perspektive und Aktivität für die Zukunft "herumgammeln"


2. Sichere Anzeichen für eine beginnende Abhängigkeit gibt es nicht

Hinweise können sein:

Allgemeine Entzugserscheinungen wie Händezittern, Schweißausbrüche, Schlaflosigkeit. Unruhe und Unsicherheit, Wechsel zwischen passiver Ruhe und nervöser Rastlosigkeit.

Wenn Sie denken, daß Ihre Sorgen begründet sind, ergeben sich wichtige Konsequenzen für Ihr eigenes (Erziehungs-) verhalten. Hierbei ist zu unterscheiden zwischen

Jüngeren (Kinder und Jugendliche bis etwa 16 Jahren)

Sie sollten mehr Zeit für Ihr Kind aufwenden,
die Regeln (Spielregeln) des Zusammenlebens in der Familie überprüfen und ggf. neu festlegen,
Ihrem Kind nichts abnehmen, sondern zunehmend die Verantwortung für sich und seine Angelegenheiten allein tragen lassen,
jedoch konsequent den "Spielraum" nach außen einschränken (z. B. Freizeitverkürzung).

Aber sehr wichtig:

behalten Sie in einem Rahmen von Wärme und Sicherheit die Haltung konsequent bei,
bestärken Sie positives Verhalten durch Stützung und Ermunterung,
suchen Sie Kontakte zu Lehrern und Vertrauenspersonen.

Älteren (etwa ab 16 Jahren)

Wenn

keine Lenkungsmöglichkeit und Einflußmöglichkeit mehr besteht,
Eltern nur noch ausgenutzt werden,
Hilfestellungen und Ratschläge nicht angenommen werden,

müssen Sie Ihrem Kind von jetzt an die Verantwortung für sich selbst überlassen.
Dabei müssen Sie Grenzen festlegen:

Verantwortung der Eltern innerhalb des Hauses (Abgrenzung der Pflichten und Rechte) und
Verantwortung des Jugendlichen für seine Entscheidungen (z. B. Schulabbruch).

Sie müssen Ihr Kind die Negativ-Konsequenzen allein tragen lassen, um durch spürbaren Druck zu versuchen, die Einsicht zu stärken und eine Änderung zu ermöglichen.


Für jede Alterstufe gilt: Immer versuchen, ohne Vorwürfe im Gespräch zu bleiben. Das bedeutet, daß auch Entscheidungen akzeptiert werden müssen, die nicht immer im Sinne der Eltern sind.


3. Wenn Sie sicher sind, daß Ihr Sohn oder Ihre Tochter Drogen nimmt und wenn der Drogenkonsum unter Umständen schon längere Zeit besteht:

Die Menge des Suchtmittels ist nicht entscheidend. Teilweise kann noch gearbeitet bzw. der Schulbesuch zunächst noch aufrecht erhalten werden. Man kann nicht ein wenig abhängig sein, so, wie man auch nicht ein wenig schwanger sein kann. Drogenkonsum verändert einen Jugendlichen grundlegend.

Drogenabängigkeit bedeutet:

Der Körper kann ohne Drogen (vermeintlich) nicht mehr existieren.
Bei Nachlassen der Drogenwirkung reagiert der Körper mit Entzugserscheinungen. Sie hören erst auf, wenn dem Körper erneut Drogen zugeführt werden.
Daher wird die Drogenbeschaffung jetzt zur zentralen Lebensbeschäftigung.
Die Abhängigkeit von Drogen erfaßt deshalb die ganze Person, gleich welchen Alters.

Im Zusammenhang mit Sucht und Suchtgefährdung ist Erziehung zur Selbständigkeit und Unabhängigkeit die beste Voraussetzung, nicht abhängig zu werden.

Nicht nur das Suchtmittel allein macht abhängig, es muß auch eine seelische Bereitschaft dazu vorhanden sein. Deshalb: Nicht gelernte Selbständigkeit - und das heißt Unselbständigkeit - macht eher anfällig für Drogenkonsum. Was können Eltern tun?

Unsere Kinder lernen durch unser Vorbild!

Ein wesentlicher Teil der Kindererziehung besteht in dem Verhalten, das wir unseren Kindern vorleben. Sie lernen, wie wir selbst ganz allgemein mit Abhängigkeiten und auch mit Drogenkonsum umgehen, z. B.

mit Alkohol,

ob wir ihn gelegentlich zur Verschönerung des Alltags genießen oder
ob wir Alltagschwierigkeiten und Ärger mit ihm herunterspülen oder
ob wir gar gewohnheitsmäßig nicht ohne Alkohol leben können;

mit Nikotin,

ob wir unseren Kindern ständig diese Abhängigkeit vorleben oder vergeblich versuchen, das Rauchen einzustellen (von Kindern, deren beide Elternteile Raucher sind, rauchen 30 % mehr und in früheren Jahren als von Eltern, die Nichtraucher sind. Das Rauchverhalten der Mutter ist besonders prägnant);

mit Medikamenten,

ob wir bei jedem kleinen Schmerz schnell zu einer Tablette greifen,
ob wir Tabletten nehmen, um uns besser zu fühlen oder
ob wir damit seelische Belastungen dämpfen.


Unsere Kinder lernen, wie wir uns verhalten, wie wir unsere Schwierigkeiten überwinden, wie wir uns Wünsche und Erwartungen erfüllen oder versagen. Unsere Kinder lernen auch durch die Partnerschaft der Eltern.

Es ist normal, daß ein Zusammenleben aus Harmonie und Konflikten besteht. Die Frage ist daher, wie wir unsere Konflikte lösen.

Können wir gemeinsam darüber reden?
Finden wir Lösungen, die beiden Teilen gerecht werden?
Können wir uns einigen, ohne daß der eine Teil etwas "herunterschlucken" muß und verbittert ist?
Kehren wir unsere Probleme unter den "Teppich" und spielen "Harmonie"?
Flüchten wir in den Beruf?
Klammern wir uns an die Kinder?
Handeln wir in der Erziehung übereinstimmend mit unserem Partner?
Oder spüren die Kinder unsere Differenzen? (z. B. ein strenger Vater und eine immer wieder nachgebende Mutter?)


Erziehung zur Unabhängigkeit ist die beste Voraussetzung, nicht abhängig zu werden.

Was bedeutet Erziehung zur Unabhängigkeit?
Wie können Eltern Sicherheit und Unabhängigkeit vermitteln?
Wie sieht eine Erziehung aus, die "sicher" macht?


Freiräume und Grenzen

Um Sicherheit und Selbstwertgefühl zu gewinnen, brauchen Kinder Freiräume, d. h. Spielräume, in denen sie sich allein und ohne klare Hilfe der Eltern erproben und bewähren können. Gleichzeitig müssen aber von den Eltern auch klare Grenzen als Orientierungspunkte festgelegt werden. Eltern, die Kinder verwöhnen, ihnen alles abnehmen und leicht machen (z. B. keinen Verzicht fordern, nur gewähren lassen, Wünsche sofort erfüllen), gefährden die Persönlichkeitsentwicklung und die Erziehung zur Lebenstüchtigkeit ihrer Kinder.

Für jedes Kind ist es daher wichtig, daß altersgemäße Freiräume vorhanden sind, die eine Erziehung zur Eigenverantwortlichkeit ermöglichen.


Was können Eltern tun?


Wichtig: Es hat keinen Sinn, in dieser Situation nach Schuld zu fragen und sich entmutigen zu lassen. Sie müssen sich bemühen, offen über die Probleme zu reden.

Nehmen Sie unverzüglich Kontakt mit einer psycho-sozialen Beratungs- und ambulanten Behandlungsstelle für Suchtgefährdete und Suchtkranke auf. Dort bekommen Sie Informationen, Ansprachemöglichkeiten und Verhaltenshilfen. Sie ist auch Anlaufstelle und die größte Hilfe für Ihr Kind.
Wenden Sie sich außerdem an einen Elternkreis (die Anschrift erfahren Sie in der Suchtberatungsstelle). Sie bekommen dort Informationen , Gespräche mit anderen Eltern in der gleichen Situation, Tips und Hinweise für Ihr eigenes Verhalten und Hilfen für den Umgang mit Ihrem Kind.
Überprüfen Sie Ihre eigenen Hilfeleistungen für Ihr Kind, z.B.: Räumen Sie ihm weitere Schwierigkeiten aus dem Weg? Sind Sie großzügig mit Geldzuwendungen? Wie verhalten Sie sich, wenn es wieder mal versagt hat? Erledigen Sie Dinge, die von Ihrem Kind auch allein bewältigt werden müßten?


Was Eltern vermeiden sollten:

Unkontrollierte Panikreaktionen.
Weitere "Hilfen" für ihr Kind. Sie sind keine wirklichen Hilfen.
Mit Geld weiterhelfen, bringt nichts. Jeder Abhängige wird das Geld wieder und trotz aller Versprechen in Stoff umsetzen.
So widersprüchlich es klingt: Einen abhängigen und damit hilflosen Jugendlichen können Eltern allein nicht von der Droge befreien.
Die Eigenverantwortung mit allen Konsequenzen können Eltern nicht stellvertretend für Ihre Kinder übernehmen. Was zuvor über die eigenen Freiräume und die negativen Konsequenzen gesagt wurde, wird hier deutlich : Z. B. wenn Eltern die Kinder überwachen, sich zum Hilfspolizisten degradieren, ändert das die Einstellung der Kinder zu den Drogen nicht; scharfes Kontrollieren ist nur ein Abnehmen der Eigenverantwortung.
Die Freiräume sind eher zu erweitern, damit schärfere Konsequenzen und damit ein (hilfreicher) Leidensdruck enstehen.


Wichtig: Die Eltern müssen Grenzen festlegen, damit sie ihr eigenes Leben ohne das drogenabhängige Kind oder mit ihren anderen Kindern weiterleben können. Die Belastung der Familie durch ein drogenabhängiges Kind muß verringert werden, damit die Eltern die Kraft behalten, später ihrem Kind helfen zu können. Deshalb dürfen die Probleme des drogenabhängigen Kindes und die der Eltern nicht vermischt werden.

Aus der Drogenabhängigkeit muß sich der Jugendliche selbst befreien. Die Eltern können ihm dabei nicht direkt helfen. Sie können nur in Vertrauen und Zuwendung eine alternative, drogenfreie Lebensform vorleben.

Fordern Sie von Ihrem drogenabhängigen Kind, sich in Behandlung zu begeben. Erweisen Sie Ihrem Kind Hilfe durch konsequente Härte aus Liebe. Bleiben Sie in Ihrer Haltung gegenüber Ihrem Kind liebevoll, aber konsequent.

Das Kind trifft selbständig eine Entscheidung, geht damit ein Risiko ein, das belastend wirkt; bei gutem Ausgang erlebt das Kind eine Selbstbestätigung. Selbst bei erlebten Enttäuschungen oder wenn das Kind Schwierigkeiten durchstehen muß, wird die positive Folge eine Stärkung des Selbstwertgefühls und der eigenen Unabhängigkeit sein.

Die Eltern lassen das Kind altersgemäß Entscheidungen allein fällen, lassen auch ein kalkulierbares Risiko zu und sollten es das Risiko und ggf. auch die damit verbundenen Folgen allein tragen lassen. Die Nicht-Einmischung und Zurückhaltung der Eltern wir dann vom Kind als Vertrauen in seine eigenen Kräfte und Möglichkeiten verstanden werden.


Erziehung zur Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit muß geübt werden.

Für jedes Alter gilt, daß Grenzen gesetzt werden müssen
(Unter Berücksichtigung der jeweils unterschiedlichen Bedingungen, wie Familiengröße, Schule, Lehre, Beruf, Wohnungsverhältnisse, finanzielle Möglichkeiten).

Zu weite Grenzen ohne erzieherische Hilfen, können zu Orientierungsschwierigkeiten der Kinder führen, Kinder wissen dann nicht, "wo es lang geht", sie lernen nicht, die Realitäten richtig einzuschätzen.

Zu enge Grenzen verhindern, daß Kinder sich in einem Freiraum erproben können; die eigene Verantwortung richtig einzuschätzen, kann nicht gelernt werden.

Unklare Grenzen insbesondere inkonsequentes und uneiniges Elternverhalten, müssen zur Verunsicherung der Kinder bis hin zur Orientierungslosigkeit führen. Bei einem Schwanken zwischen zu weiten und zu engen Grenzen kann ein Kind nur schwer den Weg zur Eigenverantwortlichkeit finden. Eigenverantwortlichkeit aber ist eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung zu einer eigenständigen Persönlichkeit.



Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Bitte nutzen Sie für Anfragen bevorzugt die Möglichkeiten eines E-Mail. Ernstgemeinte E-Mail-Anfragen werden baldmöglichst beantwortet. Das kann u.U. aber etwas dauern, ich bin ja schließlich auch mal unterwegs

Dr. B. Ziegler - Facharzt für Laboratoriumsmedizin - Transfusionsmedizin - Umweltmedizin
Tel.: 0172 6361278   E-Mail: Ziegoe@aol.com

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