CDT (Carbohydrate deficient Transferrins)
Marker zur Erkennung von Alkoholmißbrauch
Grundlagen:
Transferrin weist als Glykoprotein einen starken Polymorphismus hinsichtlich der Kohlenhydratanteile (Galactose, Mannose, N-Acetylglucosamin und Sialinsäure) auf, der von nicht-genetischen Faktoren abhängig ist.
Durch isoelektrische Fokussierung des Transferrin konnte in Verbindung mit epidemiologischen Studien zur Ursache der Alkoholkrankheit festgestellt werden, daß bei erhöhtem Alkoholgenuß eine Verminderung des Sialinsäuregehalts des Transferrin und damit eine Verschiebung von Tetrasialotransferrin zum Desialotransferrin erfolgt.
CDT im ursprünglichen Sinn ist mit dem Desialotransferin gleichzusetzen, allerdings weisen bereits Verschiebungen zum Tri-, Di- oder Monosialotransferrin auf einen erhöhten Alkoholkonsum hin. Dementsprechend wurden diese partiell defizienten Transferrine in die Gruppe der Carbohydrate deficient Transferrins (= CDT) einbezogen.
Epidemiologie:
Unter dem (naturgemäß bei der Alkoholkrankheit notwendigen) Vorbehalt der Richtigkeit der Angaben der Probanden in den epidemiologischen Studien konnten bei quantitativen Bestimmungen von CDT folgende Referenzbereiche festgestellt werden:
Marker
ohne Alkoholgenuß
mit Alkoholgenuß > 60 g
täglich über mehr als 1 Woche
CDT im urprünglichen Sinn
= Desialotransferrin
Frauen < 20 U/l ~ < 2,0 %
Frauen 25 - >> 50 U/l ~ 2,5 - >> 5 %
Männer < 25 U/l ~ < 2,5 %
Männer 30 - >> 50 U/l ~ 3,0 - >> 5 %
CDT im erweiterten Sinn
= Desialotransferrin +
Monosialotransferrin +
Disialotransferrin +
Trisialotransferrin
Frauen < 5,0 %
Frauen > 5,0 %
Männer < 6,0 %
Männer > 6,0 %
Die biologische Halbwertszeit des CDT wurde mit ca. 14 Tagen ermittelt. Sie Sensitivität der Diagnostik eines Alkohlomißbrauchs mittels CDT-Bestimmung liegt (unter Berücksichtigung des o. g. Vorbehalts) bei 83 % - 93 %, die Spezifität bei 97 % - 99 %
Eine seltene genetische Transferrin-Variante (D-Variante mit abweichender Primärstruktur)
Das mit 1 : 600 nicht gerade sehr seltene genetische bedingte CDG-Syndrom (Carbohydrate Deficient Glykoprotein-Syndrom). Hier finden sich auch ohne Alkoholanamnese und ohne andere alkoholbedingt veränderte Marker (MCV, g-GT) CDT-Werte >> 10 %
last not least: Analysenfehler
Bewertung:
Zur Bewertung des CDT ist festzuhalten, daß die Korrelation des CDT-Spiegels zur konsumierten Alkoholmenge (gemäß den Angaben oder Vermutungen) u n s i ch e r ist. Des weiteren ist festzustellen, daß Korrelationen zwischen CDT und anderen Parametern (MCV, g-GT) nicht gesichert sind, da letztere hinsichtlich ihrer alkohol-bezogenenen Sensitivität und Spezifität deutlich hinter der des CDT zurückstehen.
Indikationen:
Hieraus ergeben sich für die Bestimmung von CDT folgende Indikationen:
Erhöhung der g-GT unklarer Genese (Alkohol? Medikamente?) bei normalem MCV
Erhöhtes MCV bei normaler g-GT (Alkohol? Vit-B12-/Folsäure-Mangel anderer Ursache?)
Normale g-GT und normales MCV trotz vermuteten Alkoholkonsoms (Compliance?)
Risikoabschätzung für Alkoholembryopathie (Alkoholkonsum in der Gravidität)
Bestätigung der Alkoholkarenz durch einen drittten, unabhängigen Marker (z. B. für die Wiedererlangung des Führerscheins, für Einstellungsuntersuchungen etc.)
Neben den bisherigen Markern für die Diagnostik eines Alkoholmißbrauchs können wir Ihnen damit eine Methode anbieten, welche die direkten Alkoholwirkungen auf den Proteinstoffwechsel anzeigt.
Benötigtes Material: 1 ml Serum oder entsprechende Menge Vollblut.
Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Bitte nutzen Sie für Anfragen bevorzugt die Möglichkeiten eines E-Mail. Ernstgemeinte E-Mail-Anfragen werden baldmöglichst beantwortet. Das kann u.U. aber etwas dauern, ich bin ja schließlich auch mal unterwegs
Dr. B. Ziegler - Facharzt für Laboratoriumsmedizin - Transfusionsmedizin - Umweltmedizin
Tel.: 0172 6361278 E-Mail:Ziegoe@aol.com