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Leben mit Diabetes

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  Stoffwechselkrankheiten

Klassifikation des Diabetes mellitus


I) Diabetes-Formen

  1. Diabetes mellitus Typ I (ß-Zellzerstörung, die zum absoluten Insulinmangel führt)
    1. Immunologisch bedingt
    2. Idiopathisch (in Europa selten)

  2. Diabetes mellitus Typ II (reicht vom Vorwiegen der Insulinresistenz mit relativem Insulinmangel bis zum Vorwiegen des Sekretionsdefizits mit Insulinresistenz).

  3. Andere Diabetestypen mit bekannten Ursachen

    1. Genetische Defekte der ß-Zellfunktion

      Chromosom 12, HNF-1a (MODY3)
      Chromosom 7, Glukokinase (MODY2)
      Chromosom 20, HNF-4a (MODY1)
      Mitochondriale DNA (MIDD, Maternally Inherited Deabetes and Deafness)
      Andere Defekte

    2. Genetische Defekte der Insulinwirkung

      Insulinresistenz Typ A
      Lipatrophischer Diabetes
      Andere Defekte

    3. Erkrankungen des exokrinen Pankreas

      Pankreatitis
      Trauma/ Pankreatektomie
      Neoplasmen
      Zystische Fibrose
      Haemochromatose
      Fibrokalzinierende Pankreatitis
      Andere Erkrankungen

    4. Endokrinopathien

      Akromegalie
      Cushing-Syndrom
      Glucagonom
      Phaeochromozytom
      Hyperthyreose
      Somatostatinom
      Aldosteronom (prim. Hyperaldosteronismus)
      Andere Erkrankungen

    5. Medikamente

      Vacor (Rattengift)
      Pentamidin
      Nikotinsäure
      Glukocorticoide
      Schilddrüsenhormone
      Diazoxid
      ß-Sympathikomimetika
      Thiazid-Diuretika
      Dilantin
      alpha-Interferon
      Andere Substanzen

    6. Infektionen

      Kongenitale Röteln
      Cytomegalievirus
      Andere Infektionen

    7. Seltene immunologisch bedingte Formen

      "Stiff man" - Syndrom
      Anti-Insulin-Rezeptor-Antikörper
      Andere Formen

    8. Andere manchmal mit Diabetes assoziierte Syndrome

      Down-Syndrom
      Klinefelter-Syndrom
      Turner-Syndrom
      Wolfram-Syndrom
      Friedreichsche Ataxie
      Chorea Huntington
      Lawrence-Moon-Biedel-Syndrom
      Dystrophie myotonica
      Porphyrie
      Prader-Willi-Labhart-Syndrom
      Andere Syndrome

  4. Gestationsdiabetes (siehe spezielle Informationsseite)


II. Diagnostische Kriterien des Diabetes mellitus

Ein Diabetes mellitus ist dann zu diagnostizieren, wenn vorliegen:

Symptome des Diabetes: Polyurie, Polydipsie oder sonst nicht erklärbarer Gewichtsverlust

und

Plasma-Glucose > 200 mg/dl //11.1 mmol/l (idem im kapillären Vollblut) zu einem beliebigen Zeitpunkt des Tages (ohne Rücksicht auf den Zeitpunkt der letzten Nahrungsaufnahme).

oder

Nüchtern-Plasmaglucose > 125 mg/dl // 7.0 mmol/l bzw.

Nüchtern-Glucose im kapillären Vollblut > 110 mg/dl // 6.1 mmol/l. (Nüchtern bedeutet: Keine Kalorienzufuhr für wenigsten 8 Stunden).

oder

2-h-Plasmaglucose > 200 mg/dl //11.1. mmol/l (idem im kapillären Vollblut) während eines OGTT. Testdurchführung nach WHO-Richtlinien (s.u.)

Ohne die eindeutigen Zeichen der Hyperglykaemie mit metabolischer Dekompensation müssen die Ergebnisse der Glucosebestimmung durch Wiederholungsmessung zu einem späteren Zeitpunkt bestätigt werden.

Die der Diagnose zugrundeliegende Glucosemessung muß mit einer qualitätskontrollierten Labormethode erfolgen. Geräte, die zur Selbstmessung durch den Patienten konzipiert sind, eignen sich hierfür nicht!


III. Durchführung des oralen Glucosetoleranztestes (nach WHO-Richtlinien)

Durchführung am Morgen nach 10 - 16-stündiger Nahrungskarenz nach einer mindestens 3-tägigen Ernährung mit mehr als 150 g Kohlenhydraten/Tag. Patient in sitzender oder liegender Position. Rauchen vor und während des Testes nicht erlaubt.

Urinabgabe vor der Testdurchführung, Bestimmung der Uringlucose (Stix). Testabbruch bei > 3 g Glucose/l Urin.

Zum Zeitpunkt 0 trinkt der Patient 75 g Glucose (oder äquivalente Menge hydrolysierter Stärke) in 250 - 300 ml Wasser innerhalb von 5 min. Kinder erhalten 1,75 g/kg Körpergewicht (bis max. 75 g).

Blutentnahmen zur Glucosebestimmung zu den Zeitpunkten 0, 60 und 120 min. Sachgerechte Aufbewahrung der Blutproben bis zur Messung!


Es ist viel zu wenig bekannt, aber von großer praktischer Bedeutung, daß längeres Fasten oder eine kohlenhydratarme Ernährung auch bei Gesunden zu einer pathologischen Glucosetoleranz führen kann.

Es ist unnötig, bei Patienten, die Medikamente erhalten, die bekanntermaßen die Glucosetoleranz verschlechtern einen OGTT durchzuführen. Es ist gleichermaßen unnötig, bei Patienten mit einer Glucose-Ausscheidung von > 3 g/l (vor Testbeginn) eine OGTT durchzuführen.


Diabetes-Screening bei Gesunden

Tests sollen in Betracht gezogen werden bei allen Personen, die 45 Jahre oder älter sind. Bei Normalbefunden sollte Wiederholung nach 3 Jahren erfolgen.

Tests sollen in Betracht gezogen werden bei jüngeren Personen oder in kürzeren Intervallen durchgeführt werden, wenn

Übergewicht vorliegt (> 120 % Normalgewicht oder BMI > 27,0 kg/m²)

Ein/e erstgradig Verwandte/r einen Diabetes mellitus hat

Eine Frau ein Kind > 4000 g geboren hat oder bei ihr ein Gestationsdiabetes festgestellt wurde

Ein Hypertonus vorliegt (>140/90 mm Hg)

Eine Hyperlipidaemie mit HDL-Cholesterin < 35 mg/dl und /oder Triglyceride > 250 mg/dl vorliegt

Eine frühere Untersuchung eine gestörte Glucosetoleranz oder eine abnorme Nüchternglucose ergeben hat.

Quelle: Kerner, W.: Deutsches Ärzteblatt 95, Heft 49, 4.12.1998


Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Bitte nutzen Sie für Anfragen bevorzugt die Möglichkeiten eines E-Mail. Ernstgemeinte E-Mail-Anfragen werden baldmöglichst beantwortet. Das kann u.U. aber etwas dauern, ich bin ja schließlich auch mal unterwegs

Dr. B. Ziegler - Facharzt für Laboratoriumsmedizin - Transfusionsmedizin - Umweltmedizin
Tel.: 0172 6361278   E-Mail: Ziegoe@aol.com

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