63 Prozent der Deutschen bereit zur Organtransplantation
Stuttgart (ots) - Viele Menschen sind besorgt, mit einem Spenderausweis zu früh für
tot erklärt zu werden, berichtet Reader's Digest.
Die Bereitschaft der Deutschen zur Organspende wird durch die
Sorge vor dem Missbrauch beeinträchtigt. Wie das
Meinungsforschungsinstitut Emnid im Auftrag des Magazins Reader's
Digest Deutschland herausgefunden hat, stimmen 63 Prozent der
Deutschen zu, wenn man ihnen nach dem Tod Organe für eine
Transplantation entnimmt. Gut jeder dritte Befragte (38 Prozent)
befürchtet aber, dass er von den Ärzten zu früh für tot erklärt wird,
wenn er einen Spenderausweis bei sich trägt.
Reader's Digest berichtet in seiner Februar-Ausgabe über die
Ergebnisse der repräsentativen Umfrage, die unter 1000 Deutschen
vorgenommen wurde. Demnach ist bei den 40- bis 49-Jährigen die
Zustimmung zu einer Transplantation mit 71 Prozent am höchsten. Von
den über 60-Jährigen würden dagegen nur 59 Prozent nach ihrem Tod
anderen ein Organ überlassen.
Aus Sicht der "Deutschen Stiftung Organtransplantation" ist die
Angst "absolut unbegründet", wie Heiner Smit, Bevollmächtigter des
Vorstandes, betont: "Alle ärztlichen und pflegerischen Maßnahmen am
Unfallort und im Krankenhaus haben zum Ziel, das Überleben des
Patienten zu sichern und seine Gesundheit wiederherzustellen." Zudem
schreibe der Gesetzgeber vor, dass zwei Fachärzte unabhängig
voneinander vor einer Transplantation den Hirntod des Patienten
feststellen müssen.
Die "Deutsche Stiftung Organtransplantation" will deshalb ihre
Aufklärungsarbeit weiter intensivieren, um für noch mehr Vertrauen
zu werben. Denn Emnid hat in der Umfrage herausgefunden, dass 67
Prozent der Deutschen durchaus mit der geltenden gesetzlichen
Regelung einverstanden sind, wonach die Organe eines Toten nach dem
ärztlichen Befund nur dann entnommen werden dürfen, wenn der
Verstorbene einen Spenderausweis hatte oder nach dem Tod des
Patienten seine Angehörigen der Entnahme zustimmen.
Keine Mehrheit fand in der Umfrage hingegen die so genannte
Widerspruchslösung, wie sie in Österreich praktiziert wird. Sie
besagt, dass eine Organspende erlaubt ist, wenn der Verstorbene zu
Lebzeiten dem nicht widersprochen hat. Diese Lösung hielten in der
Umfrage nur 17 Prozent für richtig.
Nach wie vor mangelt es an Organspendern. So berichtet Reader's
Digest, dass in Deutschland pro Jahr rund 900 Herzen benötigt
werden, zum Beispiel im Jahr 2002 jedoch nur 395 transplantiert
werden konnten. Der Grund: Nur ganz wenige Verstorbene kommen
überhaupt für eine Organspende in Frage. "Die Voraussetzungen liegen
nur bei etwa 1 bis 2 Prozent aller Todesfälle vor", so Smit.
Hinweis: Informationen zum Thema Organspende erhalten Sie unter
der gebührenfreien Rufnummer 0800 9 04 04 00. Spenderausweise und
Broschüren verschickt die Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung, Ostmerheimer Str. 220, 51109 Köln, Fax (0221) 89 92-257,
www.organspende-kampagne.de. Spenderausweise sind ferner in vielen
Apotheken, Arztpraxen und Krankenhäusern erhältlich.
Für weitere Informationen zu diesem Reader's Digest-Thema stehen
wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die Februar-Ausgabe von Reader's
Digest Deutschland ist an zentralen Kiosken erhältlich.