Epilepsie im Spannungsfeld der Gesundheitspolitik
Geplante DRGs bedrohen hohen Epilepsie-Behandlungsstandard in Deutschland
Frankfurt (ots) - Deutsche Epileptologen und Patientenvertreter
fordern die Aussetzung des bisherigen DRG-Ansatzes für die
Epilepsieversorgung in Spezialkliniken der Stufe 4, bis sich das
System der DRG-Vergütung bewährt und etabliert hat.
Professor Christian Elger, Direktor der Klinik und Poliklinik für
Epileptologie der Universität Bonn: "Der heutige gute
Behandlungsstandard für Epilepsie in Deutschland ist durch das neue
DRG-System gerade für die schwer behandelbaren Formen dieser
Krankheit nicht aufrecht zu erhalten."
Mehr als 600.000 Menschen leiden in Deutschland an Epilepsie.
Jährlich kommen ca. 30.000 Neuerkrankungen hinzu. Epilepsie gehört zu
den häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Die Ursachen
sind vielfältig und: Epilepsie kann jederzeit und in jedem
Lebensalter überraschend auftreten.
Ca. 75 Prozent der an Epilepsie erkrankten Menschen können, bei
sachgerechter Behandlung, ein normales Leben führen. Bei ca. 25
Prozent der Fälle handelt es sich allerdings um schwer behandelbare
Formen der Epilepsie. Der Behandlungsstandard dieser Menschen ist
durch die für 2005 geplante Einführung der diagnosebasierten
Fallpauschalen im Krankenhaus (Diagnosis Related Groups - DRG) stark
gefährdet.
Ziel der DRG-Erstattungssystematik ist es, Durchschnittswerte für
Krankheitsformen zu bestimmen, nach denen in Zukunft abgerechnet
werden soll. Unterschiedliche Versorgungsstrukturen, wie hoch
spezialisierte Einrichtungen für die Behandlung von Epilepsie, werden
somit nicht mehr berücksichtigt. Hier können pro Patient
Erlöseinbußen von weit über 10.000 EURO entstehen. Für 200.000 an
Epilepsie erkrankte Menschen bedeutet dies, dass eine medizinische
Versorgung mit den bisherigen Möglichkeiten nicht mehr sichergestellt
ist.
Bei leichteren Anfällen dagegen kann es zu Mehrerlösen des
behandelnden Krankenhauses kommen, was zu einer Aufwertung ambulant
behandelbarer Fälle zu stationären Aufenthalten im Krankenhaus führen
wird.
Da die Vergütung der Epilepsiebehandlung in keinster Weise der
Versorgungsrealität entspricht, fordern Betroffene und Behandelnde
eine Aussetzung des DRG Ansatzes für Spezialkliniken und
Epilepsiezentren.
"Leisten wir weiterhin eine angemessene Versorgung von schwer
behandelbaren Epilepsie-Patienten, stehen wir der Schließung der
Spezialzentren durch die absehbare Unterfinanzierung gegenüber." so
Professor Elger.
Um die Problematik des DRG-Vergütungssystems auch an
Öffentlichkeit und Politik heranzutragen, veranstaltet die Initative
"Gewitterleben" am 25. September in Berlin eine Podiumsdiskussion mit
Betroffenen und gesundheitspolitischen Experten zum Thema "Epilepsie
im Spannungsfeld der Gesundheitspolitik".
"Gewitterleben" ist eine Initiative des Informationszentrums
Epilepsie (ize) in Kooperation mit der Deutschen Sektion der
Internationalen Liga gegen Epilepsie, der Deutschen
Epilepsievereinigung, der Stiftung Michael und der
Bundesarbeitsgemeinschaft-Epilepsie und freundlicher Unterstützung
von Cyberonics, Desitin, GlaxoSmithKline, Janssen-Cilag, Novartis,
Pfizer, Sanofi-Synthelabo und UCB Pharma. Ziel der Initiative
"Gewitterleben" ist es, die Bevölkerung über die Erkrankung Epilepsie
umfassend zu informieren. Die Initiative soll dazu beitragen, die
Kenntnisse über die Erkrankung zu verbessern, die Akzeptanz der
Erkrankung zu erhöhen und die jetzige gute Behandlungssituation in
Deutschland trotz ständiger gesundheitspolitischer Veränderungen zu
erhalten.
Gerne senden wir Ihnen eine Faxantwort zu. Bitte kontaktieren Sie
uns hierzu unter: 069/7561-9952.
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