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TAG DER EPILEPSIE 2002/Arbeitslos wegen Epilepsie? - Den Teufelskreis durchbrechen

Hamburg (ots) - Wer an Epilepsie leidet, rund 500.000 Menschen in Deutschland, hat heute dank der modernen Medizin seine Krankheit meist gut im Griff. Über die Hälfte dieser Menschen, circa 270.000, befindet sich im arbeitsfähigen Alter und hat den Wunsch, sich auch beruflich zu verwirklichen. Die Arbeitlosenstatistik zeigt aber, dass dies Betroffenen häufig verwehrt wird: Ihre Erwerbslosenquote ist zweieinhalb mal höher als die der Durchschnittsbevölkerung.

Information und Aufklärung ist daher gerade für die berufliche Integration notwendig. Heute wurde in Hamburg das Handbuch "Epilepsie und Arbeit" vorgestellt. Das Kompendium soll helfen, die berufliche Situation von Menschen mit Epilepsie zu verbessern. Das erste Exemplar wurde an die Bundesanstalt für Arbeit überreicht.

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Das Handbuch enthält Informationen zu Führerscheinregelungen, berufliche Eignung von Menschen mit Epilepsie, Behandlungskonzepte und dient allen an der beruflichen Integration anfallskranker Menschen Beteiligten als Grundlagenwerk.

Warum es nötig war, ein solches Kompendium zu verfassen, verdeutlicht die bundesweite EPIDEG-Studie*: Sie zeigte, dass die Bereiche Ausbildung und Beruf für epilepsiekranke Menschen am stärksten beeinträchtigt sind. Knapp die Hälfte der Patienten im erwerbstätigen Alter wies unter arbeitsmedizinischen Aspekten keine oder nur eine geringe Gefährdung durch ihre Erkrankung auf. Dennoch war die Rate der Erwerbstätigkeit bei den Befragten mit Epilepsie deutlich niedriger (45%) als in der Allgemeinbevölkerung (68%). Ab dem 40. Lebensjahr war der Anteil epilepsiekranker Menschen in einem Beschäftigungsverhältnis sogar nur halb so groß wie bei der Gesamtbevölkerung.

Dabei zählen Epilepsien heute zu den gut behandelbaren Krankheiten. Rund 70 Prozent der Betroffenen können durch eine medikamentöse Therapie anfallsfrei werden, bei 30 Prozent die Krankheitssymptome erheblich gemindert worden.

Die Schwierigkeit für Epilepsiepatienten, einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden, wird häufig unterschätzt. Schuld ist ein doppelter Teufelskreis, in dem auch anfallsfreie und voll leistungsfähige Epilepsiepatienten gefangen sein können.

Der erste Teufelskreis liegt oft bei den Betroffenen selbst begründet: Die Krankheit bringt sie in die Defensive - das Selbstbewusstsein sinkt. Am zweiten Teufelskreis sind die Arbeitgeber beteiligt: Sie wissen vielfach nicht, dass Epilepsiekranke in ihrer Leistung nicht eingeschränkt sein müssen und begegnen auch selbstsicheren Bewerbern mit Vorbehalten. "Die Arbeitslosigkeit und die hohe Zahl der Frühberentungen ist nicht deshalb so hoch, weil Epilepsie tatsächlich die Erwerbstätigkeit beeinträchtigt, sondern weil die meisten Menschen es denken", so der Medizinsoziologe Norbert van Kampen vom Epilepsie Zentrum Berlin-Brandenburg, einer der Autoren des Handbuchs.

Natürlich gibt es Aspekte der Epilepsie, die bei der Berufswahl zu berücksichtigen sind. So kommen keine Tätigkeiten in Frage, bei denen sich der Patient selbst oder andere gefährden kann, wie zum Beispiel als Dachdecker oder Berufskraftfahrer. Eine genaue Analyse des Erkrankungsgrades und -status ist daher notwendig, um die geeignete Tätigkeit für Betroffene zu finden.

Die Ergebnisse der EPIDEG-Studie zeigen, dass die Aufklärung von Arbeitgebern, Arbeitnehmern, Arbeitsvermittlern und Ärzten verstärkt werden muss, um die Chancen für eine Erwerbstätigkeit besser erkennen und nutzen zu können. Das Autorenteam Norbert van Kampen, Heike Elsner (Ärztin am Berufsbildungswerk Bethel, Bielefeld) und Klaus Göcke (Vorsitzender der Deutschen Epilepsievereinigung e.V.) hat daher alle wesentlichen Informationen zum Thema zusammengetragen und neu bearbeitet.

Das erste Exemplar des Handbuchs überreichten die Autoren und Dr. Udo Adelmeier vom Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline heute in Hamburg an Hans-Uwe Stern, Bereichsleiter für berufliche Förderung und Rehabilitation an der Bundesanstalt für Arbeit. "Ich wünsche uns allen, dass das Handbuch 'Epilepsie & Arbeit' Arbeitsvermittlern und Personalleitern die Skepsis nimmt, Menschen mit Epilepsie einzustellen", so Marketingmanager Adelmeier. GlaxoSmithKline wird das Handbuch im Herbst kostenlos an alle Arbeitsämter und Dienststellen in Deutschland verteilen.

Hans-Uwe Stern erläuterte die Anstrengungen der Bundesanstalt für die berufliche Integration von schwerbehinderten Menschen. So wurde zwischen Oktober 1999 und Juli 2002 die Zahl arbeitsloser Schwerbehinderter um 18% reduziert, während im gleichen Zeitraum die Gesamtarbeitslosigkeit um 4,2% stieg. Die Bundesanstalt für Arbeit werde auch 2003, im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen, ihren Beitrag zur beruflichen Integration behinderter Menschen leisten, so Stern. "Die von ihnen erarbeitete Broschüre "Epilepsie & Arbeit" ist hierbei eine wertvolle Hilfe."

*) "Epilepsiebedingte Beeinträchtigungen im täglichen Leben und in der Erwerbstätigkeit - Querschnittsstudie an 1.222 Patienten niedergelassener Ärzte" (M. Pfäfflin, T. May, H. Stefan, U. Adelmeier) (Neurol. Rehabil. 2000; 6 (3):140-148)

Abdruck kostenfrei, Belegexemplar erbeten


[04.10.2002] Quelle: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG
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