Härtet Dreck wirklich ab? Die Hygienethese gerät ins Wanken
Hamburg (ots) - "Dreck härtet ab!" Ist diese Behauptung noch
zeitgemäß? Dänische Wissenschaftler gingen der Frage in einer Studie
mit mehr als 24.000 Kindern nach, die jetzt im British Medical
Journal veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse der Untersuchung von Dr.
Christine Stabell Benn und Mitarbeitern sind eindeutig und
gleichzeitig widersprüchlich: Auf der einen Seite ist der Kontakt mit
Bakterien oder Bestandteilen von Bakterien nicht unbedingt schädlich.
Auf der anderen Seite sollten Infektionen verhindert werden.
Die Mediziner suchten mit ihrer Studie in erster Linie Belege für
die Hygienethese, nach der ein Übermaß an Hygiene das Risiko für
Allergien und Hautkrankheiten erhöht. Mit dieser Theorie wird die
Beobachtung erklärt, dass in hoch entwickelten und industrialisierten
Ländern mehr Kinder unter Neurodermitis leiden. Die neue Studie
bringt jetzt die Hygienethese zum Teil ins Wanken. Denn die
Wissenschaftler konnten zeigen, dass mit der Zahl an Infektionen im
Kleinkindalter, wie zum Beispiel Erkältungen, Durchfall und
Mittelohr-Entzündung, das Neurodermitis-Risiko steigt. "Wichtig sind
vor allem die Vermeidung von Auslösefaktoren und eine frühzeitige
Behandlung der Neurodermitis" betont Thomas Schwennesen, der
Vorsitzende vom Deutschen Neurodermitis Bund (DNB) e.V. Hamburg.
Schwennesen sieht sich in seiner Meinung durch die neue Studie
bestätigt. Mehr als die Hälfte der untersuchten Kleinkinder im Alter
zwischen sechs und 18 Monaten machten mindestens eine
Infektionskrankheit durch. Jeder Zehnte litt unter Neurodermitis. Das
etwas überraschende Ergebnis der Untersuchung: Eine Ansteckung mit
Infektionskrankheiten hat die Kleinkinder nicht vor Neurodermitis
geschützt. Im Gegenteil: Erkältungen, Durchfall oder
Mittelohr-Entzündungen ließen das Ekzem-Risiko statistisch um acht
Prozent steigen.
Andererseits litten Kinder mit älteren Geschwistern oder mit
Haustieren seltener unter Neurodermitis als der Durchschnitt.
Gleiches galt für Kinder, die auf einem Bauernhof lebten oder eine
Kinderkrippe besuchten. Während also Infektionen vermieden werden
sollten, kann das Spielen mit anderen Kindern, in der Natur oder auch
mit Haustieren sogar vor Allergien schützen. "Zumindest so lange
nicht bereits eine Allergie vorliegt" mahnt Thomas Schwennesen. Unter
der Hotline 01801 - 360 360 (zum Ortstarif aus dem deutschen
Festnetz) steht die Aktion Haut!Nah des DNB Neurodermitis-Betroffenen
und allen Interessierten für Fragen zur Verfügung.
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