Technology Review über risikoreiches Gehirn-Doping/Mit Psychopharmaka zu geistigen Höhenflügen
Hannover (ots) - Immer mehr gesunde Menschen nehmen Medikamente
ein, um ihre Gedächtnisleistung zu verbessern. In der aktuellen
Ausgabe 6/04 veröffentlicht das Technologiemagazin Technology Review
ein Interview mit der angesehenen Neuropsychologin Martha J. Farah.
Sie warnt vor einer künstlichen Optimierung des Gehirns und fordert
eine gesellschaftliche Diskussion über mögliche Kontrollen und
Richtlinien bei der Einnahme von Psychopharmaka.
Pharmakologische Substanzen dienen heutzutage nicht mehr nur zur
Behandlung von Krankheiten, sondern verhelfen immer mehr Menschen zu
einer Steigerung ihrer natürlichen Fähigkeiten. Mit Medikamenten wie
Ritalin, das eigentlich bei der Behandlung hyperaktiver Kinder zum
Einsatz kommt, pushen sich Gesunde zu geistiger Hochform. Sie
steigern ihre Konzentrationsfähigkeit und verbessern ihre
Gedächtnisleistung.
Martha J. Farah, Professorin für Psychologie an der University of
Pennsylvania, sieht die künstliche Gedächtnissteigerung äußerst
kritisch: "Möglicherweise ist die normale Rate, mit der wir Dinge
vergessen, eigentlich ideal. Wenn wir sie steigern oder erhöhen, dann
verlieren wir vielleicht die Fähigkeit, aus speziellen Erlebnissen
allgemeine Prinzipien abzuleiten".
Auch die Risiken bei der Einnahme von Psychopharmaka dürften ihrer
Ansicht nach nicht leichtfertig außer Acht gelassen werden: "Wenn wir
Medikamente aus freier Entscheidung einnehmen, dann ist die Toleranz
gegenüber unerwarteten Nebenwirkungen besonders gering." Martha J.
Farah macht deutlich, dass hier im Gegensatz zur Schönheitschirurgie
in einem weitaus komplexeren System manipuliert wird, und zwar mit
unabsehbaren Folgen. So schließt sie vorzeitige Alterungsprozesse
durch regelmäßige Einnahme von Ritalin genauso wenig aus wie
Persönlichkeitsveränderungen.
"Ein wenig Müdigkeit und Konzentrationsschwäche können auch ihr
Gutes haben: Anstatt künstlich gesteigert einen Zwölf-Stunden-Tag
hinzulegen, geht man vielleicht vor acht Uhr abends nach Hause und
spielt mit seinen Kindern", meint die Psychologie-Professorin.
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