Reform im Praxistest: Ist das Gesundheitswesen überfordert?
München (ots) - Die Münchener Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner GmbH
hat gemeinsam mit der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald die
Entwicklung und das Umsetzungstempo der jüngsten Gesundheitsreform
untersucht. Im Mittelpunkt stand dabei die "Integrierte Versorgung"
nach § 140 SGB V.
Bereits seit Jahren ist das deutsche Gesundheitswesen ernsthaft
erkrankt. Die Symptome, wie Doppeluntersuchungen oder
Kommunikationsdefizite an den Schnittstellen zwischen ambulanter und
stationärer Versorgung, sind bekannt. Seit den achtziger Jahren
versuchen unterschiedliche Regierungen mit einer Reihe von so
genannten Reformen das Gesundheitssystem in Deutschland zu
therapieren. So vielfältig die Reformbemühungen bislang auch waren,
alle haben sie eines gemeinsam: Sie blieben hinter den Erwartungen
zurück.
Seit Januar 2004 ist nun das Gesundheitsmodernisierungsgesetz
(GMG) in Kraft. Auffälligste Veränderung ist die Modernisierung der
Versorgungsstrukturen durch den großflächigen Einstieg in die
integrierte, sektorenübergreifende, Gesundheitsversorgung. Mit der
Einführung der "Integrierten Versorgung" nach § 140 SGB V erhalten
die Krankenkassen die Möglichkeit, ihren Versicherten eine
abgestimmte Versorgung anzubieten, bei der Haus- und Fachärzte,
ärztliche und nicht-ärztliche Leistungserbringer, ambulante und
stationäre Bereiche sowie Apotheken koordiniert zusammenwirken.
Doch wie sieht es mit der Fitness der Akteure im Gesundheitswesen
aus, wenn die "Integrierte Versorgung" flächendeckend umgesetzt
werden soll? Sind sie bereits heute in der Lage, die gesteckten
Reformziele in Bezug auf Qualitätsverbesserungen und Kosteneffizienz
zu erfüllen oder verabreicht die Politik eine zu starke Dosis, um das
Gesundheitswesen zu therapieren? Die Studie, die der Fragestellung
"Wie fit sind die Kostenträger und Leistungserbringer in der
Integrierten Versorgung?" nachgeht, ist die erste umfassende
Betrachtung der "Integrierten Versorgung" aus Sicht aller beteiligten
Akteure - der Krankenkassen, der Krankenhäuser und der
Ärzte-Netzwerke.
Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Vorgaben der
Politik nicht in der geplanten Geschwindigkeit und Intensität von den
Akteuren umgesetzt werden können. Zwar halten 60 Prozent aller
Befragten die Reform für sinnvoll und schätzen die Weiterentwicklung
der "Integrierten Versorgung" in Deutschland als nachhaltig ein, die
meisten Beteiligten sind heute aber noch nicht in der Lage, die
gesteckten Erwartungen der Politik zu erfüllen. Vielen fehlt es noch
an ausreichenden Kompetenzen und Fähigkeiten, integrierte
Versorgungsnetzwerke zu initiieren und an diesen auch erfolgreich
teilzunehmen.
"Die meisten Akteure haben Defizite bezüglich der Transparenz über
ihren Patienten- beziehungsweise Versichertenbestand", so Dr. Robert
Breuer, Geschäftsbereichsleiter Pharma & Health Care bei Dr.
Wieselhuber & Partner. "Dementsprechend sind sie heute noch nicht in
der Lage, ihre Versicherten beziehungsweise Patienten in integrierte
Versorgungsnetze hinein zu steuern und bedarfsgerechte
Versorgungsprodukte zu entwickeln."
Und nicht nur das. Um die Erwartungen der Politik an die
"Integrierte Versorgung" erfüllen zu können, müssen alle Akteure in
Sachen "Technologie" nachlegen. Spätestens, wenn integrierte
Gesundheitsversorgung über einige wenige Verträge pro Kostenträger
und Leistungserbringer hinausgeht, kommt der Entwicklung der
technologischen Infrastruktur eine zentrale Bedeutung zu.
Krankheitsbezogene Struktur- und Kosteninformationen müssen aus
ambulantem und stationärem Sektor zusammengeführt und über Jahre
hinweg analysiert werden.
Die Ergebnisse belegen es: "Integrierte Versorgung" ist keine
Modeerscheinung, sondern wird sich nach Auffassung der Befragten
nachhaltig entwickeln. Als Treiber der künftigen Entwicklung
vernetzter Versorgungsformen werden von den Befragten in erster Linie
die Krankenkassen gesehen. Weitere Bedeutung erlangen nach
Einschätzung der Studienteilnehmer die Leistungserbringer der
Akutmedizin wie auch die Politik. Die Pharmaindustrie spielt nach
Auffassung der Befragten bislang noch eine eher untergeordnete Rolle
in der "Integrierten Versorgung". Dennoch ist Dr. Robert Breuer davon
überzeugt, dass Modelle der "Integrierten Versorgung" für
Pharmaunternehmen ein attraktiver Weg sind, die ärztliche Verordnung
zu beeinflussen, indem dies über Direktverträge zwischen
Krankenkassen und Pharmaunternehmen flankiert wird.
Letztendlich ist die "Integrierte Versorgung" ein zentraler
Baustein einer modernen Gesundheitsversorgung. Integrierte
Versorgungsformen haben das Potenzial, das deutsche Gesundheitssystem
strukturell zu erneuern. Der von allen Befragten geäußerte Optimismus
spricht sehr dafür, dass die Akteure bestrebt sind, ihr
Fitnessprogramm in Sachen "Integrierte Versorgung" individuell zu
definieren und ernsthaft zu betreiben. Dies würde zur Rekonvaleszenz
des deutschen Gesundheitswesens maßgeblich beitragen.
Die Studie kann bei Dr. Wieselhuber & Partner angefordert werden.
Die Schutzgebühr beträgt 50 EUR inkl. MwSt. Journalisten erhalten die
Untersuchung kostenlos.
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