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Kompetenz und Prävention sparen Beitrags-Euros in Milliardenhöhe

Berlin (ots) - Orthopäden legen im Vorfeld des Deutschen Orthopädenkongresses Forderungskatalog an Bundesregierung und Kassen vor


Auf Primärarztsystem verzichten

Mehr als jede dritte Arbeits- oder Erwerbsunfähigkeit (rund 40 Prozent) in Deutschland ist Folge einer Erkrankung der Haltungs- und Bewegungsorgane. Dennoch werden viele Betroffene zu spät oder nicht optimal behandelt, weil die Rahmenbedingungen im deutschen Gesundheitswesen nicht stimmen. Der Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie (BVO) und die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) forderten heute in Berlin die neue Bundesregierung auf, bei der nächsten Gesundheitsreform auf die Einführung eines Primärarztsystems zu verzichten. "Nur die möglichst frühzeitige Inanspruchnahme fachärztlich-orthopädischer Kompetenz durch die Patienten verhindert erhebliche Folgekosten für Krankenkassen und Volkswirtschaft in Milliardenhöhe", erklärte BVO-Vorsitzender Dr. Siegfried Götte (München). Mit "abwartendem Beobachten" komme man nicht weiter. Götte und der Präsident der DGOOC, Prof. Dr. Werner Hein (Halle), legten im Vorfeld des in Berlin stattfindenden Deutschen Orthopädenkongresses zudem einen politischen 10-Punkte-Katalog vor, in dem die Orthopäden unter anderem die künftig politisch Verantwortlichen und die Kassen auffordern, einen spezifischen orthopädischen Präventionsplan einzuführen.

Alle Parteien, so die Orthopäden, seien sich einig, dass die Prävention gestärkt werden müsse. Es sei erschreckend, wie hoch die Rate der Fehlentwicklungen bei den Haltungs- und Bewegungsorganen bereits bei Kindern und Jugendlichen sei, die unentdeckt in späteren Jahren leicht zu erheblichen Beschwerden und Erkrankungen führen könnten. Der fünfstufige orthopädische Präventionsplan trage daher den "altersgestuften Gefährdungspotentialen vom Säugling bis zum Erwachsenen besonders Rechnung."

Wer Arbeitsunfähigkeiten im Berufsleben vermeiden wolle, müsse frühzeitig mit der Aufklärung und der Förderung von Sport im Kindes- und Jugendalter beginnen. "Politik erfordert Mut und wir bieten der Politik unsere zukunftsgerichtete, sachkompetente Lösung an," erklärte Dr. Götte. Es läge in der Hand der politisch Verantwortlichen, diese dann auch umzusetzen.

Wenn jetzt keine durchgreifenden politischen Maßnahmen ergriffen würden, so warnte Prof. Hein weiter, kämen allein aufgrund der demografischen Entwicklung auf die deutsche Volkswirtschaft erhebliche Kosten zu. Man gehe davon aus, dass sich die bereits jetzt erdrückenden Folgekosten in Höhe von 22 Mrd. Euro bis zum Jahre 2040 verdoppeln würden. So rechne man allein in den nächsten 20 Jahren mit einer Zunahme von Oberschenkelhalsfrakturen von 30 Prozent.

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Diese Patienten könnten nur mit bestens ausgebildeten Orthopäden versorgt werden. Trotz aller neuen, z.B. minimalinvasiven Operationstechniken, die zwar zu verkürzten Krankenhausaufenthalten führten und die Rehabilitationsmöglichkeiten verbesserten wie auch Kostenreduzierungen bewirkten, werde dennoch der Orthopädie in vielfältiger Weise Steine in den Weg gelegt. Es beginne bei der Ausbildung junger Ärzte, setze sich über die Weiterbildung fort und führe später in Klinik und Praxis zu Verwerfungen. Die Arbeitszeitvorschriften hielten zudem viele junge Ärzte davon ab, sich für die Orthopädie zu entscheiden, so Prof. Hein. Wer aber Qualität und Effizienz in der Versorgung der Bevölkerung wolle, ergänzte Dr. Götte, müsse die Gefährdung der flächendeckenden fachärztlichen und fachärztlich-orthopädischen Versorgung z.B. im niedergelassenen Bereich durch einen freien Arztzugang weiter gewährleisten.


[16.09.2002] Quelle:
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V./Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie e. V.
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