Mit kleiner Operation zum neuen Kniegelenk
München (ots) - Nahezu die Hälfte aller älteren Menschen leidet
heutzutage unter Arthrose der Kniegelenke. Rund 40.000 Frauen und
Männern wird jährlich in Deutschland ein künstliches Kniegelenk
implantiert.
Ursache für eine Arthrose der Kniegelenke ist deren Verschleiß
durch Übergewicht, mangelnde Bewegung oder einseitige Belastung bei
Arbeit oder Sport. Laufen und Treppen steigen wird für die
Betroffenen zur Qual, weil sie das Beugen und Strecken der Knie
heftig schmerzt. Als Ausweg bleibt oft nur eine Operation. Viele
Arthrose-Patienten greifen jedoch aus Angst vor einer großen
Operation und dem damit verbundenen Blutverlust über Jahre lieber zu
Schmerztabletten.
"Doch vielfach ist es möglich, mit einer schonenden Methode nur
das beschädigte Stück des Knies zu ersetzen", erklärt der
Stollberger Facharzt für Kniechirurgie, Chirurg Dr. Werner Tinius.
Denn bei vielen Betroffenen ist nur ein Teil davon - meist die
Innenseite - abgenutzt. Auch in diesen Fällen wurde bisher das
gesamte Kniegelenk - mit langem Schnitt - ausgetauscht. Bei diesem
neuartigen Eingriff wird ein fünf bis sieben Zentimeter kleiner
Schnitt gesetzt; bei einer großen OP beträgt er das Dreifache: rund
20 Zentimeter.
"Weil bei dieser Methode keine Muskeln durchtrennt werden müssen"
- so Dr. Tinius - "braucht der Patient nach der OP nur kurze Zeit
zu liegen und ist viel schneller wieder gesund." Noch am Tag des
Eingriffs kann der Patient wieder aufstehen und mit Spannungs- und
Bewegungsübungen beginnen. Damit wird ein längerer
Krankenhausaufenthalt hinfällig. Die sanfte Operation ist für viele
Patienten die einzige Möglichkeit, ihre Beschwerden schnell und ohne
Risiko loszuwerden.
Noch ein weiterer Vorteil: Auch die Krankenkassen unterstützen die
neue Methode, verursacht diese Art der OP doch weitaus geringere
Kosten als der bisherige Eingriff. Bei perfekter Anwendung erfüllen
die "Minigelenke" ihre Aufgabe ebenso zuverlässig und lange wie
herkömmliche Vollprothesen.
Jedoch ist auch zu bedenken: Nicht alle Arthrose-Patienten können
nach dem neuen OP-Verfahren behandelt werden. "Bei schweren
Veränderungen des Knorpels und des Knochens läßt sich jedoch ein
vollständiges künstliches Gelenk nicht vermeiden", so der langjährige
Facharzt. Die Entscheidung, welcher Eingriff für wen in Frage kommt,
trifft der sächsische Chirurg nach einer ausführlichen Diagnose.
Dabei wird akribisch untersucht, wo welche Schädigung in welchem
Ausmaß vorliegt.
Seine Empfehlung: Um eine Arthrose möglichst frühzeitig zu
erkennen, sollte ein Arzt bereits dann aufgesucht werden, wenn sich
erste Kniebeschwerden bemerkbar machen, nicht erst Wochen oder Monate
später.
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