Apotheker sind bereit zur konstruktiven Reform des Sozialsystems
Stuttgart/Berlin (ots) - Mit einer Aussprache über die Sozial- und
Gesundheitspolitik endet heute die erste Sitzungswoche des Bundestags
seit der Regierungsbildung. Die zuständige Ministerin Ulla Schmidt
will die Krankenkassen im Jahr 2003 um rund drei Milliarden Euro
entlasten. "Wir Apotheker haben wiederholt Vorschläge unterbreitet,
wie Kosten im Gesundheitswesen reduziert werden können und
gleichzeitig kostenneutrale qualitätsverbessernde Maßnahmen
angeregt", so Dr. Günther Hanke, Präsident der Landesapothekerkammer
Baden-Württemberg (LAK). "Außerdem bieten die Apotheken wohnortnahe
und teilzeitfähige Arbeitsplätze", sagt Dr. Hanke. "Zur Reform
unseres Sozialsystems können und wollen wir konstruktiv beitragen.
Kahlschläge können aber weder die Apotheker noch die anderen
Beteiligten im Gesundheitswesen verkraften."
Ein Dorn im Auge der Apotheker sind die Ablenkungsmanöver der
gesetzlichen Krankenkassen auf Kosten der Apotheker. "Die Mär von den
stark gestiegenen Arzneimittelkosten lenkt von den eigentlichen
Problemen ab." Dazu zählt Dr. Hanke die Verwaltungskosten der
Krankenkassen, die im vergangenen Jahr einen neuen Rekord erreicht
haben. Die Verwaltungsausgaben sind seit 1989 allein im Westen um
mehr als 50 Prozent gestiegen. Der Anteil der Verwaltungsausgaben an
den gesamten Leistungsausgaben beträgt mittlerweile den Rekordwert
von 5,9 Prozent. "Dazu nehmen sich die 3,0 Prozent Kostenanteil für
fast 22 000 Apotheken in Deutschland mit 140 000 Mitarbeitern
geradezu bescheiden aus", sagt Dr. Hanke.
Den größten Widerspruch bei Apothekern lösen Pläne der
Gesundheitsministerin aus, den Verkauf von apotheken- und
verschreibungspflichtiger Arznei per Internet zuzulassen. "Das ist
kein Wettbewerb, vor allem nicht für den Verbraucher", betont der
Kammerpräsident. Es ist eine Irreführung, wenn Ministerin Schmidt
behauptet, es wäre schon überall in Europa möglich, Arznei per
Internet zu bestellen. Das System gibt es nur in den Niederlanden, in
England in modifizierter Form. - Den Versandhandel gibt es übrigens
schon in Deutschland: Für frei verkäufliche Arzneimittel, die kein
größeres Risiko bedeuten." Die Apothekenpflicht und
Verschreibungspflicht seien nicht zum Schutz des Apothekers erfunden
worden, sondern zum Schutz des Patienten, so Dr. Hanke. "Wenn
Deutschland in Europa federführend im Verbraucherschutz werden soll,
wie Verbraucherministerin Renate Künast im Bundestag angekündigt hat,
sollte man die Gefahren des Versandhandels nicht ignorieren."
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