Aggressiver Lymphdrüsenkrebs - neues Medikament steigert Heilungsrate auch bei jungen Patienten
Klinische Prüfung wegen überragender Wirksamkeit vorzeitig beendet
Grenzach-Wyhlen (ots) - Mit nur sechs Gaben des Antikörpers Rituximab (MabThera(R)),
zusätzlich zu einer Standard-Chemotherapie verabreicht, kann die
voraussichtliche Heilungsrate bei jüngeren Patienten mit aggressivem
Lymphdrüsenkrebs (Non-Hodgkin-Lymphom) um rund 40 % gesteigert
werden. Damit ist die hohe Wirksamkeit von Rituximab jetzt bei
jüngeren und älteren Patienten erwiesen. Der Antikörper sollte
deshalb keinem Patienten mit aggressivem Lymphdrüsenkrebs
vorenthalten werden.
Das Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) ist in Deutschland und anderen
Industrieländern eine der häufigsten Krebsarten. Unter den zum Tode
führenden bösartigen Erkrankungen nimmt es die fünfte Stelle ein, und
die Rate der Neuerkrankungen steigt von Jahr zu Jahr. Von den
besonders aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen ist das großzellige
diffuse B-Zell-Lymphom (DLBCL) die häufigste Unterart. Unbehandelt
führt es innerhalb weniger Monate zum Tode.
Vor 28 Jahren gelang mit Chemotherapie ein erster Durchbruch. In
den Jahrzehnten danach ließ sich aber kein weiterer Fortschritt
erzielen - bis im letzten Jahr eine Studie mit dem Antikörper
Rituximab zeigen konnte, dass bei Patienten im Alter zwischen 60 und
80 Jahren durch die zusätzliche Gabe von nur acht Infusionen
Rituximab die Heilungsrate um rund die Hälfte gesteigert wird - von
35 % auf 53 %. Ob Rituximab bei jüngeren, also unter 60-jährigen
Patienten, den gleichen Nutzen bietet, war jedoch noch offen. Diese
Lücke wurde jetzt durch die MInT-Studie geschlossen, deren Ergebnisse
am 5. Juni 2004 auf dem Kongress der American Society of Clinical
Oncology (ASCO) in New Orleans, Louisiana/USA, erstmals vorgestellt
wurden.
Die Studienergebnisse
An MInT (MabThera International Trial) nahmen Patienten im Alter
zwischen 18 und 60 Jahren teil, die nach dem Zufallsprinzip entweder
nur eine Chemotherapie oder Chemotherapie plus Rituximab erhielten.
Nachdem 326 von insgesamt 824 Patienten über zwei Jahre beobachtet
worden waren, wurde eine erste, vorab geplante Zwischenanalyse
durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Zwischenanalyse waren so
beeindruckend, dass das Studienkomitee beschloss, die ursprünglich
auf drei Jahre angelegte Studie vorzeitig zu beenden.
Denn nach zwei Jahren lebten noch 81 % der mit Chemotherapie plus
Rituximab behandelten Patienten und wiesen keinerlei
Krankheitszeichen auf - im Vergleich zu 58 % der Patienten aus der
Nur-Chemotherapie-Gruppe. Diese Patienten, so Prof. Dr. med. Michael
G. Pfreundschuh, Universität Homburg/Saar, können mit hoher
Wahrscheinlichkeit als geheilt gelten.
Somit konnte durch die zusätzliche Gabe von nur sechs Infusionen
Rituximab die voraussichtliche Heilungsrate um rund 40 % (absolute 23
%) gesteigert werden - und dies ohne zusätzliche Nebenwirkungen, denn
Rituximab ist sehr gut verträglich.
Fazit
Die Kombination Rituximab plus Chemotherapie führt sowohl bei
jüngeren als auch bei älteren Patienten mit aggressivem
Lymphdrüsenkrebs zu deutlich höheren Heilungsraten als die alleinige
Chemotherapie und muss als der neue Standard gelten.
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