Kinder-Asthma: Schutz durch Schmutz?
Immer mehr Wissenschaftler sind überzeugt: Dreck macht stark gegen Allergien/Fortschritt: Moderne Asthma-Behandlung mit Singulair als Granulat
Haar (ots) - Vergessen Sie alles, was Sie bisher über die Vorbeugung gegen
Allergien und Asthma gehört haben: Umlernen ist angesagt! Jahrelang
haben die Experten gepredigt: Kinder müssen unbedingt vor Schmutz und
Keimen, vor Tierhaaren und Pollen geschützt werden. Nur so bleiben
sie gesund. Das Ergebnis: Heute gibt es mehr Allergien als jemals
zuvor und zehn Prozent aller Kinder leiden hier zu Lande bereits
unter asthmatischen Symptomen. Nun bläst die Wissenschaft zum
Rückzug. Fachleute sind überzeugt, dass zu viel Schonung das
Immunsystem eher schwächt als stärkt.
Unter der provozierenden Überschrift "Esst mehr Dreck!" machte die
Londoner Royal Free and University College Medical School radikal
Schluss mit den bisherigen "Schon-Theorien". Nach dem letzten Stand
der Wissenschaft schützen nämlich unter anderem folgende Faktoren ein
Kind am ehesten davor, eine Allergie zu entwickeln:
- Es hat mehrere Geschwister, vorzugsweise Brüder
- Es wäscht sich eher selten Hände und Gesicht
- Es macht Infektionen mit Darmkeimen durch
- Es lebt auf einem Bauernhof mit Tieren
- Es besitzt einen Hund
- Der Staub in der Wohnung ist mit Keimen durchsetzt
In den ersten Lebensmonaten kann das Immunsystem unterschiedlich
reagieren: Muss es sich vor allem mit Viren, Bakterien oder Parasiten
auseinandersetzen, richtet es sich mehr auf deren Bekämpfung aus.
Fehlt ihm diese Anregung, reagiert es stärker auf allergisierende
Substanzen und entwickelt allergische Reaktionen, die in Asthma
übergehen können.
Den Beweis lieferte die Multizentrische Allergiestudie MAS an 760
deutschen Kindern, deren allergisches Schicksal bereits seit zehn
Jahren verfolgt wird. Babys, die im ersten Lebensjahr nur einmal oder
überhaupt nicht unter Schnupfen oder anderen Virusinfektionen
gelitten haben, entwickelten im Laufe der nächsten sieben Jahre
doppelt so häufig ein Asthma, als Kinder mit zwei oder mehr
Erkältungsepisoden am Anfang ihres Lebens.
Zum Glück gibt es auch bei der Behandlung asthmakranker Kinder
Fortschritte. So steht seit kurzem das Asthma-Medikament Singulair
(Wirkstoff: Montelukast) auch als Granulat zur Verfügung. Diese
speziell für die kleinen Asthma-Patienten ab sechs Monaten
entwickelte Arzneiform lässt sich problemlos in weiche Babynahrung
mischen und erspart den Eltern viel Mühe bei der Verabreichung.
Singulair ist ein kortisonfreies Medikament und muss nur einmal
täglich eingenommen werden.
Fazit der Experten: Ein Haushalt mit Baby muss nicht porentief
rein sein. Übertriebene Keimbekämpfung und Putzfimmel schaden
offenbar mehr als sie nutzen.
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