Wie sicher sind ADHS-Medikamente?
Neuss (ots) - Nicht jeder so genannte Zappelphilipp braucht Medikamente. Leidet
ein Kind oder Jugendlicher aber an einer schweren
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), sollten Eltern
diese Behandlungsmöglichkeit in Betracht ziehen. Der Wirkstoff
Methylphenidat gilt dabei als die erste Wahl. Dies ist das wichtigste
Ergebnis eines internationalen Expertentreffens am Wochenende in
Wien. "Sehr viele Studien bestätigen, dass das Stimulans
Methylphenidat sicher und wirksam ist", sagte der Niederländer Prof.
Dr. Jan Buitelaar, Herausgeber der Fachzeitschrift European Child and
Adolescent Psychiatry. Das Treffen mit über 500 ADHS-Experten aus 25
europäischen Ländern war auf Einladung des Arzneimittelherstellers
Janssen-Cilag zustande gekommenen.
Großes Interesse galt in Wien dem Thema Sicherheit und
Verträglichkeit von ADHS-Medikamenten. Besonders bei neuen
Arzneimitteln gibt es naturgemäß anfangs noch nicht so breite
Kenntnisse über deren Sicherheit. Oft ergeben sich solche
Erkenntnisse erst nach der Markteinführung und häufigen Anwendung. Im
Zusammenhang mit Methylphenidat hingegen können Nachfragen besorgter
Eltern mit Gewissheit beantwortet werden, hieß es in Wien. "Wir
blicken bei Methylphenidat auf über 50 Jahre Erfahrung zurück. Das
Medikament gehört heute zu den besterforschten Arzneimitteln bei
Kindern überhaupt", betonte Buitelaar. Auch unter aktuellen
Gesichtspunkten sei die Sicherheit und Wirksamkeit herausragend, so
der Tenor unter den teilnehmenden ADHS-Spezialisten. Eine
Einschätzung, die durch die deutschen Behandlungsleitlinien bestätigt
wird: sie empfehlen das Medikament als Mittel der ersten Wahl.
Neben weltweiten klinischen Erfahrungen liegt aktuell auch eine
Langzeituntersuchung zur Sicherheit und Wirksamkeit von
Methylphenidat-OROS(R) vor. Die in Wien vorgestellte US-Studie
beobachtete zwei Jahre lang Kinder und Jugendliche im Alter von sechs
bis 13 Jahren, die mit dieser Darreichungsform von Methylphenidat
behandelt wurden. Neben allgemeinen Körperfunktionen und Auswirkungen
auf Gewicht und Größe wurden auch die Blut- und Leberwerte der Kinder
dokumentiert. Dabei kam es im Vergleich zu nicht behandelten Kindern
zu keinen klinisch bedeutsamen Veränderungen.
Die OROS(R)-Technologie(1) ist heute die am häufigsten verordnete
Darreichungsform von Methylphenidat. Die spezielle Tablettenform gibt
den Wirkstoff kontinuierlich über mehrere Stunden ab. Sie erreicht
eine Wirkung auf die ADHS-Symptome, die zwölf Stunden und damit
während des ganzen aktiven Tages der betroffenen Kinder und
Jugendlichen anhält.
(1) OROS(R) = Oral Release Osomotic System Das Medikament wird in
Deutschland seit ca. zwei Jahren von der Firma Janssen-Cilag unter
dem Produktnamen Concerta(R) vertrieben. Etwa ein Drittel aller
medikamentös behandelten ADHS-Patienten erhalten das Präparat.
Quellen
Symposium: The developing brain: Effectively Managing childhood
CNS disorders am 18. und 19. Februar 2005 in Wien, veranstaltet von
Janssen-Cilag
Langzeitstudie: Wolraich M et al: ADHD Treatment with Once-Daily
OROS(R) MPH: A Long-Term, Open-Label Study of Safety and
Tolerability. Presented at: Pediatric Academic Societies Annual
Meeting, Seattle, WA, May 3-6, 2003
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