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Johanniskraut: Vorsicht bei Mitteln aus dem Supermarkt

Karlsruhe (ots) - Johanniskraut ist zur Behandlung leichter bis mittelschwerer Depressionen anerkannt, weil Studien seine Wirksamkeit belegen. Doch Vorsicht: In diesen Studien untersuchten die Forscher qualitativ hochwertige Johanniskraut-Extrakte aus der Apotheke. Diese Ergebnisse lassen sich nicht unbedingt auf Präparate übertragen, die es im Supermarkt oder in Drogerien gibt.

Gerade pflanzliche Arzneimittel können in ihrer Zusammensetzung stark variieren, weil die Herstellung kompliziert und von vielen Faktoren abhängig ist. So können z. B. die Qualität der Heilpflanze oder das Extraktionsmittel einen Einfluss darauf haben, wie viel medizinisch wirksame Substanz das Arzneimittel enthält. Beinhaltet es zu wenig, ist keine Besserung zu erwarten. Daher spielen wie bei chemisch-synthetischen auch bei pflanzlichen Arzneimitteln Qualität und Kontrolle der Herstellung eine wichtige Rolle.

Studie: Mittel aus dem Supermarkt schneiden schlecht ab

Eine Studie vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Universität in Frankfurt am Main bestätigt nun, dass ein Patient gut daran tut, beim Kauf von Johanniskraut-Extrakten auf Qualität zu achten. Nur eins von zwölf untersuchten gängigen, handelsüblichen Mitteln aus dem Supermarkt entsprach in der Wirkstoff-Zusammensetzung den gesetzlichen Anforderungen, die Wirksamkeit, Qualität und Unbedenklichkeit definieren und bereits seit langem für apothekenpflichtige Präparate gelten. An drei weiteren untersuchten Johanniskraut-Extrakten, die aus der Apotheke stammten, hatte Studienleiter Professor Manfred Schubert-Zsilavecz hingegen nichts auszusetzen. Bei den meisten Supermarkt-Präparaten wiesen die Pharmazeuten in verschiedenen Chargen erschreckend hohe Schwankungen des Wirkstoffgehaltes nach. Nur bei den Johanniskraut-Präparaten aus der Apotheke, wie z. B. Neuroplant(R) 1x1, stellten sie eine gleichbleibende und hohe Qualität in allen fünf untersuchten Chargen fest. "Der Therapieerfolg ist bei Präparaten, die große Schwankungen von Tablette zu Tablette aufweisen, nicht gewährleistet", warnt Schubert-Zsilavecz.

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Der Forscher betont, dass die wirksame Tagesdosis gegen depressive Verstimmungen zwischen 500 und 800 Milligramm Johanniskraut-Extrakt liegt: Geringer dosierte Präparate können nach seiner Ansicht - wenn überhaupt - nur Placeboeffekte haben. Daher rät er Patienten mit Depressionen eindringlich, sich nicht selbst zu behandeln, sondern vom Arzt oder Apotheker umfassend beraten zu lassen, welches Präparat in welcher Dosierung zur erfolgreichen Therapie geeignet ist. Tritt der Therapieerfolg dann trotzdem nicht sofort ein, muss das nicht unbedingt am Johanniskraut liegen: Wie bei chemisch-synthetische Antidepressiva kann es etwa drei Wochen dauern, bis sich die Besserung einstellt.

Weitere Informationen zu depressiven Verstimmungen und Johanniskraut finden Sie unter www.sonne-fuer-die-seele.de.


[24.07.2003] Quelle: Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel
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