Atemwegsinfekte - Naturmedizin nachweislich besser als Antibiotika
München (ots) - Viele Patienten, die ihren Hausarzt wegen einer
Atemwegsinfektion aufsuchen, leiden an einer akuten Bronchitis. Sehr
häufig bekommen sie dann ein Antibiotikum verordnet, obwohl fast
immer eine Virusinfektion die Ursache der Erkrankung ist.
Antibiotika, die bei einer bakteriellen Infektion wirksam sind,
helfen bei einer Virusinfektion aber nicht. Solche unsinnigen
Verordnungen sind wahrscheinlich einer der Gründe, weshalb auch
hierzulande die Antibiotika-Resistenz laufend zunimmt.
Zur Behandlung einer akuten Bronchitis gibt es aber auch
naturheilkundliche Arzneimittel, die ebenso wirksam sind wie
chemische Medikamente, die aber weniger Nebenwirkungen haben. Das
wissen die Patienten und lassen sich deshalb oftmals lieber ein
phytotherapeutisches Medikament verschreiben.
Das Problem: Ab dem 1. Januar, wenn das GKV-Modernisierungsgesetz
in Kraft tritt, können Arzneimittel, die nicht rezeptpflichtig sind,
und dazu gehören auch Phytopharmaka, nicht mehr zu Lasten der
gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden. Ausgenommen sind nur
Kinder bis zwölf Jahre.
Deshalb besteht jetzt die Sorge, dass viele Ärzte künftig anstelle
eines pflanzlichen Arzneimittels wieder stärkere und damit auch
nebenwirkungsreichere Medikamente verschreiben. "Wahrscheinlich
werden dann zur Behandlung einer akuten Bronchitis wieder mehr
Antibiotika verordnet", sagte der Allgemeinarzt Dr. Martin Adler aus
Siegen bei einer Pressekonferenz in München. Das ist nicht
unproblematisch. Denn Patienten, die immer wieder Antibiotika
einnehmen, entwickeln sehr viel häufiger Allergien, bekommen
Magen-Darm-Beschwerden mit Durchfall oder Erbrechen oder ziehen sich
Pilzinfektionen zu. Hinzu kommt das Problem der
Antibiotika-Resistenz. Erst jüngst hat eine europäische Studie
gezeigt, dass Bakterien umso häufiger resistent sind, je mehr
Antibiotika in einem Land verordnet werden. "Die Ärzte müssen deshalb
umdenken", forderte Adler, der auch Vizepräsident des
Zentralverbandes der Ärzte für Naturheilverfahren und
Regulationsmedizin (ZÄN) ist, bei der Veranstaltung der Firma
Spitzner Arzneimittel in München.
Dass Phytotherapeutika bei Atemwegsinfekten besser helfen als
Antibiotika, ergibt sich aus mehreren Studien, über die Dr. Traugott
Ullrich aus Ettlingen berichtete. So waren Patienten, die mit
Antibiotika behandelt wurden, fast genauso lange krank, wie
Patienten, die ein Placebo, also ein Scheinmedikament, bekommen
hatten. Andererseits ergab sich bei Patienten, die mit dem
pflanzlichen Arzneimittel Umckaloabo(R), ein Extrakt aus den Wurzeln
der Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoides) behandelt wurden, eine
deutlich stärkere Besserung der Symptome wie Husten, Auswurf,
Rasselgeräusche, Brustschmerz beim Husten und Atemnot gegenüber
Placebo, berichtete Professor Heinrich Matthys über die Ergebnisse
von drei Studien aus Deutschland, in denen zwischen Oktober 2000 und
April 2002 rund 500 erwachsene Patienten mit akuter Bronchitis
behandelt worden waren. Die Arbeitsunfähigkeit war in der mit dem
Wurzelextrakt behandelten Gruppe um durchschnittlich etwas mehr als
zwei Tage verkürzt. Mehr als 80 Prozent der mit Umckaloabo(R)
behandelten Patienten hätten sich "sehr zufrieden" oder "zufrieden"
mit der Therapie geäußert, berichtete der ehemalige Direktor der
Pneumologie der Universität Freiburg.
Ähnliche Ergebnisse gibt es inzwischen auch für Kinder, wobei vor
allem Kleinkinder besonders gut auf das pflanzliche Arzneimittel
reagieren, berichtete Matthys. Nebenwirkungen seien weder bei den
Kindern noch bei den Erwachsenen aufgetreten. Bei einer
unkomplizierten akuten Bronchitis sei das phytotherapeutische
Arzneimittel deshalb allemal besser als ein Antibiotikum, sagte der
Spezialist für Atemwegserkrankungen.
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