Neue Diamantklingen sorgen für bessere Wundheilung
Diamanten können mehr als funkeln
Stuttgart (ots) - "Ein Diamant ist unvergänglich", davon
profitierte bislang vor allem die Schmuckindustrie. Vom 26. bis 29.
September 2002 können Augenärzte während der Jubiläumstagung der
Ophthalmologischen Gesellschaft in Berlin sich davon überzeugen, dass
die kleinen Glitzer-Steine nicht nur schön anzusehen sind. Sie eignen
sich auch hervorragend als Schneidewerkzeuge - besonders für den
Bereich der Augenchirurgie. Naturdiamanten als Schneideklingen
einzusetzen ist allerdings sehr teuer. Ingenieure und Mediziner
forschten deshalb an einem Verfahren Diamant künstlich und damit
günstiger und mit gleichzeitig verbesserter Schärfe, herzustellen.
Die Lösung dafür fand die Gesellschaft für Diamantprodukte mbH (GFD)
gemeinsam mit der Universität Ulm. Die neue, getestete
Schneidtechnologie kommt jetzt im Bereich der Mikrochirurgie zum
Einsatz, erhöht Heilungschancen und trägt zusätzlich zu Einsparungen
im Gesundheitswesen bei.
Die weltweit häufigsten chirurgischen Eingriffe sind Operationen
bei grauem Star. Dabei wird die trübe gewordene Linse aus dem Auge
entfernt und durch eine künstliche Linse ersetzt. Gerade am Auge,
einem der empfindlichsten Organe des Körpers, kommt es dabei auf ganz
exakte Schnitte durch den Arzt an. Bisher verwendete der behandelnde
Mediziner bei diesen Eingriffen überwiegend Stahlklingen, die jedoch
sehr schnell stumpf werden. Besser eignen sich die langlebigeren
Natur-Diamantklingen, die schärfer sind und dank ihrer glatten
Schnittkanten eine deutlich bessere Wundheilung ermöglichen.
Allerdings sind diese sehr teuer und lassen nur bestimmte
Messerformen zu.
Den Forschern und Wissenschaftlern gelang es aber in den letzten
zehn Jahren, eine Technologie zur künstlichen Herstellung von
Diamanten zu entwickeln. Diese Diamantschichten kann man heute dank
eines neu entwickelten Plasma-Polier-Verfahrens zu Skalpellen mit
bisher unerreichter Schärfe weiterverarbeiten. Erstmals gelang es mit
Hilfe der Plasma-Politur, nahezu atomar spitze Schneidkanten zu
erzeugen. Diese revolutionäre Technologie, mit der die neue
Diamantklingen-Generation jetzt bei GFD herstellbar ist, ist weltweit
einzigartig.
Derzeit werden die Klingen in der Mikrochirurgie eingesetzt, wo
sie für Operationen am Auge, an Nerven oder am Gehirn das optimale
Handwerkszeug sind. Tests an der Universitätsklinik Ulm haben
gezeigt, dass die Skalpelle hinsichtlich der Handhabung für Ärzte
deutliche Vorteile bieten. Aber auch der Patient profitiert vom
Einsatz der extrem scharfen, künstlich hergestellten Diamantklingen:
Die äußerst glatten Schnittkanten des härtesten Materials der Welt,
bewirken eine bessere Wundheilung und geringere Narbenbildung. Der
Unterschied zwischen den glatten Schnittkanten und dem
unregelmäßigeren Schnitt mit konventionellen Klingen ist unter dem
Mikroskop auch deutlich zu erkennen. Gerade im Bereich der
Tumoroperationen in der Augen- und Neurochirurgie denken die
Entwickler bei der GFD in Ulm bereits daran, zusätzliche Funktionen
in die Klinge zu integrieren. "Ein Diamant leitet sehr gut Wärme,
somit könnte es künftig auch möglich sein, über Sensorelemente beim
Operieren sowohl die Gewebetemperatur als auch die elektrischen
Gewebeeigenschaften zu messen. Dies bringt den Vorteil mit sich, dass
der Arzt sofort gewarnt wird, wenn er statt des Tumors gesundes
Gewebe schneidet", erklärt Dr. André Flöter, Geschäftsführer der GFD.