Neue Linsen gegen grauen Star
Nürnberg (ots) - Neue Linsen gegen grauen Star schützen die
Netzhaut vor UV-Strahlen wie eine unsichtbare Sonnenbrille -
ermöglichen teilweise scharfes Sehen in der Nähe und in der Ferne -
sind so hauchdünn, dass sie mit einer Spritze injiziert werden können.
Mit fast 450.000 Eingriffen jährlich allein in Deutschland gehört
die Operation des grauen Stars (Katarakt) mit Abstand zu den
häufigsten Eingriffen der gesamten Medizin.
Der graue Star ist eine ganz normale Alterserscheinung. Jeder
zweite 60jährige und fast jeder über 75 leidet darunter. Die
Augenlinse trübt sich, die Sehkraft lässt nach. Im Extremfall kann
das Auge des Patienten erblinden. Er nimmt am Ende nur noch hell und
dunkel wahr. Bei der Operation entfernt der Augenchirurg die trübe
Linse und ersetzt sie durch eine künstliche. Ein erfahrener Chirurg
benötigt für die Operation 15 Minuten. Meist ist der Eingriff unter
örtlicher Betäubung ambulant oder mit einem Tag Klinikaufenthalt
möglich. Die Patienten können schon am nächsten Tag wieder sehen.
Oft werden künstliche Linsen eingesetzt, die sich so eng
zusammenrollen lassen, dass sie durch eine zwei Millimeter kleine
Öffnung am Rand der Augenhornhaut injiziert werden können. Durch
diese winzige Öffnung wird zuerst die alte Linse aufgelöst und
abgesaugt und dann die neue Linse eingeführt und entfaltet. Dieser
Mini-Schnitt muss nicht vernäht werden. Er schließt sich durch den
Augeninnendruck von selbst.
Auf dem 16. Kongress der Deutschen Augenchirurgen, 8. bis 11. Mai,
Nürnberg, werden neue Linsen für die Staroperation vorgestellt:
1. Die Acrysof Natural Linse enthält einen Blaulicht-Blocker, der
die empfindliche Netzhaut vor zu viel schädlichen UV-Strahlen
schützt. 2. Die 1CU Linse kann sich sowohl auf das Sehen in der Nähe
als auch in der Ferne einstellen. Mit dieser "akkomodierenden Linse",
an der Wissenschaftler seit vielen Jahren tüfteln, ist das Ziel
zumindest teilweise erreicht. 3. Die Thinlens von ThinoptX ist mit
100 Mikrometern so dünn wie ein menschliches Haar. Für die Injektion
reicht eine 1,5 Millimeter kleine Öffnung. Vorteil: Durch ihre
ultradünne Bauart gibt es keine Verzerrungen, keine Blendung und auch
keinen Endothelverlust mehr.
Trotzdem gibt Dr. Armin Scharrer, Fürth, zu bedenken: "Während die
Linsentrübung bei uns routinemäßig bei jedem Patienten geheilt werden
kann, sind in der dritten Welt bereits 25 Millionen Menschen am
grauen Star erblindet, weil zu wenig Operationsmöglichkeiten zur
Verfügung stehen."
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