Aktuelle Pressemeldung vom Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Intensivmedizin in Barcelona, 30.9.-2.10.2002
Barcelona (ots) - Intensivmediziner fordern gemeinsame Aktion gegen den ältesten
Killer der Welt: Sepsis - Barcelona Deklaration zur Dringlichkeit der Senkung der
Sepsis-Sterblichkeit
Intensivmediziner aus der ganzen Welt riefen Anfang Oktober zur
gemeinsamen Aktion auf: Mit der Deklaration von Barcelona wollen sie
die Todesrate bei Sepsis senken, einem der ältesten und härtesten
Killer der Menschheit. 1 400 Menschenleben fordert Sepsis weltweit
jeden Tag.(1) 30 bis 50 Prozent der Erkrankten sterben innerhalb
eines Monats nach der Diagnose.(2-6)Sepsis fordert damit mehr
Menschenleben als Brustkrebs oder Darmkrebs(7) - und ist trotzdem bis
heute weit weniger bekannt.
Die Deklaration von Barcelona ist die Auftaktaktion der gerade ins
Leben gerufenen "Surviving Sepsis Campaign". Als Träger haben sich
die drei führenden internationalen intensivmedizinischen
Fachgesellschaften zusammengeschlossen: die Europäische Gesellschaft
für Intensivmedizin (European Society of Intensive Care Medicine,
ESICM), die amerikanische Gesellschaft für Intensivmedizin (Society
of Critical Care Medicine, SCCM) und das Internationale Sepsis Forum
(ISF). Anlässlich des Jahreskongresses der Europäischen Gesellschaft
für Intensivmedizin in Barcelona kamen sie überein, dass die hohe
Todesrate bei Sepsis innerhalb der nächsten fünf Jahre um ein Viertel
gesenkt werden müsse, und zwar durch dringend notwendige
Verbesserungen in Diagnose und Behandlung.
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"Das Krankheitsbild der Sepsis ist in der Öffentlichkeit praktisch
nicht bekannt", erläutert Professor Herwig Gerlach, Berlin, als
Leiter der Arbeitsgruppe Sepsis innerhalb der Europäischen
Intensivmedizinischen Gesellschaft und deutscher Vertreter in der
Initiative. "Meist wird eher von Blutvergiftung gesprochen, dies ist
jedoch nicht das Gleiche", fügt er hinzu. Denn bei Sepsis reagiert
der Körper unkontrolliert und überschießend auf eine Infektion, was
sehr schnell - manchmal innerhalb eines Tages - zum Tod führen kann.
Die Blutgerinnung gerät aus dem Gleichgewicht und im Körper kommt es
gleichzeitig zu Gerinnselbildung und zu Blutungen. Dadurch versagen
Organe wie Lunge, Niere, Leber und Herz-Kreislauf. Sepsis ist nicht
nur eine Krankenhausinfektion oder ein Problem älterer Menschen.
Vielmehr kann jeder eine Sepsis bekommen. Häufig tritt Sepsis nach
Infektionen durch Lungenentzündung, Verletzungen, Operationen,
Verbrennungen oder auch Krebs und AIDS auf. Tatsächlich sterben etwa
80 Prozent der Patienten, die Verletzungen erliegen, letztlich an
einer Sepsis.
"Wir können heute sehr viele Krankheiten sehr gut behandeln. Aber
gegen diese Infektionen und ihre tödlichen Folgen sind wir noch immer
relativ machtlos," beklagt Professor Gerlach. "Wir Ärzte tun unser
Bestes, die Sepsis in den Griff zu bekommen. Mit mehr Mitteln,
besseren Weiterbildungsmöglichkeiten und mehr öffentlichem Interesse
an dieser tödlichen Krankheit könnten wir sicher noch mehr
erreichen."
Die Unterzeichner der Deklaration von Barcelona fordern
Regierungen und gesundheitspolitisch Verantwortliche dringend auf,
die zunehmende Bürde durch Sepsis anzuerkennen und adäquate Mittel
zur Verfügung zu stellen, um wirkungsvoller gegen sie vorgehen zu
können. Mit einem 5-Punkte-Aktionsplan wollen die Ärzte die Sepsis
besser in den Griff bekommen und mehr Menschenleben retten:
* Diagnose:
frühzeitige und genaue Diagnose auf Basis einer eindeutigen und
allgemein anerkannten Sepsis-Definition ermöglichen
* Behandlung:
geeigneten und rechtzeitigen Einsatz aller therapeutischen
Möglichkeiten durch Entwicklung und Umsetzung klarer Leitlinien
sicher stellen
* Krankenhaus-Einweisung bzw. Verlegung auf die Intensivstation:
Richtlinien aufstellen, die weltweit Anerkennung finden
* Weiterbildung:
alle betroffenen Ärzte informieren und unterstützen
* Patientenbetreuung:
Beratung und Betreuung von Patienten auch nach Behandlung auf der
Intensivstation und Entlassung aus dem Krankenhaus gewährleisten
"Sepsis ist eine tödliche Krankheit. Aber heute haben wir
Möglichkeiten, die enorm hohe Sterblichkeit zu senken. Wir müssen
lediglich die bereits verfügbaren Therapien, die in Studien
nachgewiesen haben, dass sie die Sepsis-Sterblichkeit senken,
frühzeitig einsetzen. Dann ist unser Anspruch, innerhalb der nächsten
5 Jahre die Zahl der Sepsis-Toten um ein Viertel zu verringern,
sicher zu erreichen", fordert Professor Dr. Mitchell Levy von der
amerikanischen Society of Critical Care Medicine.
Literatur:
(1.) Bone RC et al. Chest 1992; 101: 1644-55.
(2.) Rivers E et al. N Engl J Med 2001; 345: 1368-77.
(3.) Natanson C et al. Crit Care Med 1998; 26: 1927-31.
(4.) Briegel J et al. Clin Invest 1994; 72: 782-7.
(5.) Bollaert PE et al. Crit Care Med 1998; 26: 645-50.
(6.) Bernard GR et al. N Engl J Med 2001; 344: 699-709.
(7.) OECD Health Report 2001.