Aktionsbündnis gegen Aids verurteilt illegalen Handel mit Aids-Medikamenten
Tübingen (ots) - "Dieser Skandal darf auf keinen Fall dazu führen,
dass Pharmafirmen ihre Medikamente nicht mehr zu einem Vorzugspreis
nach Afrika liefern", sagt Bernd Pastors, ein Sprecher des
Aktionsbündnisses gegen Aids und Geschäftsführer des
Medikamenten-Hilfswerks action medeor. Er bezieht sich auf den
großangelegten Schmuggel mit Aids-Medikamenten, den der belgische
Zoll letzte Woche aufgedeckt hat.
Medikamente im Wert von 18 Millionen Euro sind aus Afrika zurück
in die Niederlande und nach Deutschland auf den Markt gebracht
worden. Bei den Medikamenten handelt es sich um drei Therapeutika von
GlaxoSmithKline für die Langzeitbehandlung von HIV-Infizierten. Der
Medikamentenschmuggel ist lukrativ, da mehrere Pharmafirmen ihre
Medikamente aus humanitären Gründen deutlich billiger verkaufen als
in Europa und den USA.
"Die Schmuggler haben mit diesem Re-Import auf Kosten
afrikanischer HIV-Kranker Millionen für sich abgezweigt", verurteilt
Pastors die verbrecherischen Machenschaften aufs Schärfste: "Der
Medikamentenschmuggel ist nur aufgrund der Korruption in Afrika und
Europa möglich. Den Ärmsten der Armen werden dadurch lebensrettende
Medikamente vorenthalten." Das große Preisgefälle locke Kriminelle.
Während die Kosten für die Therapie in Europa und den USA für einen
Aidskranken im Jahr aufgrund der Patente bei 10.000 Euro liegen, ist
die Behandlung in Entwicklungsländern mit verbilligten
Aids-Präparaten aufgrund des Preisnachlasses einiger Pharmafirmen für
1000 Euro möglich.
Um solche Verbrechen in Zukunft zu verhindern, sollten die
Medikamente für Entwicklungsländer kenntlich gemacht werden, schlägt
Pastors vor. "Wenn die Tabletten mit den gleichen Wirkstoffen in
anderer Farbe und Form produziert und anders verpackt werden, könnten
sie auf legalem Wege in Europa und Amerika nicht mehr vertrieben
werden." Schon Großpackungen wie sie von action medeor verwendet
werden, würden den Rückfluss auf den deutschen Markt erschweren.
Außerdem sollte die sichere und nachvollziehbare Struktur des
Vertriebsweges gewährleistet sein. Im vorliegenden Fall wurden die
geschmuggelten Aids-Medikamente einer etablierten
Pharma-Re-Import-Firma untergejubelt.
Das Aktionsbündnis gegen Aids ist ein Zusammenschluss von über 30
Organisationen und Hilfswerken der Entwicklungszusammenarbeit, das
mit einer bundesweiten Kampagne auf die weltweite Aids-Katastrophe
aufmerksam macht. Das Aktionbündnis fordert von der Bundesregierung
eine drastische Erhöhung der finanziellen Mittel auf 350 Millionen
Euro zur Bekämpfung und Prävention von HIV und Aids.
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